We All Die (Laughing) – Thoughtscanning

| 8. Januar 2014 | 0 Comments

We All Die (Laughing)

Ein Song bis zum großen Halleluja: Das französisch-bulgarische Duo We All Die (Laughing) stellt sich mit amüsiert-depressivem Namen vor. Erstmals gemeinsam als Gastmusiker auf der digitalen Eye Of Solitude-EP „The Deceit“ aufgetreten, veröffentlichen Ausnahmesänger Arno Strobl (Carnival In Coal, 6:33) und Multi-Instrumentalist (sowie stolzer Mitsänger) Déhà (C.O.G., Maladie) ihr erstes Album. „Thoughtscanning“ besteht aus einem einzigen, 33 Minuten langen Song gespickt mit durchgeknalltem, cleveren Progressive Extreme Metal.

Mit klaren, melancholischen Gitarren und dezent bluesigen Untertönen, die an die ruhigeren Momente von Swallow The Sun erinnern, eröffnet dieser „Thoughtscan“ betitelte Mammuttrack. Strobls Gesang setzt nach ca. drei Minuten ein, umgeben von musikalischem Understatement; und gerade deswegen so eindringlich, so intensiv, wage an Vincent Cavanagh und Ihsahn erinnernd. Eineinhalb Minuten später nimmt der Höllenritt seinen Lauf. Ein schmerzverzerrter Schrei legt einen Schalter um, die Gitarren werden dominanter, Gothic-Untertöne setzen ein, bevor Strobl sich Growls widmet. Glaubte man bislang, der Klargesang des 6:33-Frontmanns wäre das wahre Highlight, wird man nun eines Besseren belehrt. Gerade die halb gesungenen, halb geschrienen Passagen gehen mit ihrer unverfälschten Verzweiflung unter die Haut, rühren zu Tränen, sorgen für Angstschweiß.

Es bleibt spektakulär und intensiv. Düster schwarze Extreme und Prog-Gitarren erinnern an In Vain, das Stimmengewirr an Borknagar – was genau passiert, lässt sich nur erahnen. Zwar schleicht sich so manch ruhigerer Teil ein, insgesamt halten We All Die (Laughing) das Tempo in der zweiten Hälfte deutlch höher. Strobls Urschrei nach gut 23 Minuten, der in Steele’scher Intonation mündet, fährt durch Mark und Bein, der fünf Minuten lange Abbau mit gelegentlich aufflackerndem Licht der Hoffnung bricht jeden Widerstand, bevor die im Intro angespielte, klare Gitarre nebst Sprechgesang langsam aber sicher verhallt.

Ist es schon zu früh, von einem potentiellen Kandidaten für das Album des Jahres zu sprechen? „Thoughtscanning“ hat das Zeug dazu und beweist damit auch, dass ein Prog-Album verhältnismäßig kurz sein und dennoch keine Wünsche offen lassen kann. Dieser eine, 33 Minuten lange Song verwischt die Grenzen zwischen metallischer Extreme, instrumentaler Raffinesse und Vokal-Akrobatik. Dass der Einstand von We All Die (Laughing) nur via Import erhältlich ist – ein Hohn. Wer schnell zugreift, erhält auf der limitierten CD-Auflage eine Cover-Version des Amy Winehouse-Songs „Back To Black“. Man vermag sich kaum vorzustellen, was Strobl und Déhà mit dem Soul-Hit angestellt haben.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 14.01.2014
Erhätlich über: Kaotoxin Records (Frankreich-Import)

Facebook: www.facebook.com/wealldielaughing

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Category: Magazin, Reviews

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