Interview mit Joe McGlynn von Man Must Die

| 20. Oktober 2013 | 0 Comments

Man Must Die

Nach der Veröffentlichung ihres starken Albums „No Tolerance For Imperfection“ 2009 wurde es erst einmal still um die schottischen Extreme-Metaller Man Must Die. Label-Probleme und die Trennung von zwei Bandmitgliedern brachte die Band beinahe zum Erliegen. Man raffte sich wieder auf, spielte eine neue Platte ein und veröffentlicht nun „Peace Was Never An Option“ via Lifeforce. Sänger Joe McGlynn erklärt, wie er die schweren letzten Jahre durchlebt hat und welche Rolle der Fans für das Überleben von Man Must Die eingenommen haben.

Seit der Veröffentlichung eures letzten Albums ist einiges passiert. Ihr habt einige Mitglieder verloren (Bassist und Gründungsmitglied Danny McNab, Matt Holland, René Hauffe) und zwei dazugewonnen (Dan Firth, James Burke). Wie kam es zu diesen Änderungen und wie seid ihr auf eure Neuzugänge gestoßen?

Die vergangenen vier Jahre waren ohne Frage wie eine Achterbahnfahrt. Unser Bassist Danny hat uns verlassen und Matt wurde aus Gründen rausgeschmissen, auf die ich lieber nicht eingehen würde. René war nicht wirklich in der Band, er hat ein paar Shows mit uns gespielt und das war’s. Nachdem wir uns von Matt getrennt hatten, suchten wir online nach einem Schlagzeuger und stießen so auf James. Bei Dan war das ganz anders: Ich habe aus Spaß mit ein paar Freunden eine Misfits-Cover-Band gegründet und nach einem Bassisten gesucht. Einer meiner Mitstreiter kannte jemanden und als wir mit Dan jammten, merkte ich, was für ein großartiger Bassist und Metalhead er war, also habe ich ihn für Man Must Die gestohlen (lacht).

Euer letztes Album "No Tolerance For Imperfection" erschien 2009 noch auf Relapse. Lief euer Vertrag aus oder gab es andere Gründe, weswegen ihr euch anderweitig umgesehen habt?

Die Situation mit Relapse war echt seltsam. Die Kommunikation mit diesem Label war, gelinde gesagt, sehr schlecht. Ehrlich gesagt schien es, als hätten sie sich überhaupt nicht um uns gekümmert. Im Endeffekt haben wir uns einvernehmlich getrennt: Sie wollte uns nicht mehr bei sich haben, wir wollten nicht mehr bei ihnen sein, also hat es für beide Parteien gepasst.

Wann war für euch die Zeit gekommen, zurück ins Studio zu gehen um neues Material aufzunehmen?

Alan (McFarland, Gitarrist) und ich begannen gleich nach den Aufnahmen zu „No Tolerance For Imperfection“ mit einigen Ideen für eine neue Platte, die 2011 hätte erscheinen sollen, zu jonglieren, aber in der Zwischenzeit fiel einiges vor, darunter der Split mit Relapse und der Abgang von einigen Mitgliedern. Wie du dir vorstellen kannst, waren wir ziemlich niedergeschlagen, richteten uns aber wieder auf und hatten dann die Idee, eine Pledge-Kampange in die Wege zu leiten. Unsere Fans sind großartig und haben uns auch in schlechten Zeiten unterstützt. Ohne ihren Support hätten wir vielleicht nicht weitergemacht.

Wie funktioniert das Songwriting bei Man Must Die? Gibt es einen Hauptsongwriter oder erarbeitet ihr alles gemeinsam?

Alan und ich schreiben seit Bandgründung alles gemeinsam. Ich kümmere mich um so gut wie alle Texte und wir beide schreiben die Musik zusammen. Meist fängt es mit einem Riff von Alan oder mir an, dann programmiere ich Drums dazu und wir bauen rundherum die Songs. Wenn diese erst einmal fertig geschrieben sind, lassen wir die anderen Jungs sie proben und ihre eigene Note hinzufügen, die das fertige Produkt bereichern.

Ihr habt, wie bereits erwähnt, eine Pledge Music-Kampagne ins Leben gerufen, um die Aufnahmen zu finanzieren, während ihr euch nach einem neuen Label umgesehen habt. Wie seid ihr darauf gekommen und habt ihr euch diese Unterstützung erwartet?

Mir fiel auf, dass einige Bands Pledge Music versucht hatten. Für uns machte es ebenfalls Sinn, da wir zu diesem Zeitpunkt nichts zu verlieren hatten. Die Unterstützung unserer Fans war sehr inspiriert und brachte uns wieder zurück in die Spur, da nach all dieser Zeit immer noch so viele an uns glaubten. Ohne diese Ermutigung wäre dieses Album wahrscheinlich nicht entstanden.

Eure Kampagne war erfolgreich. Wie hättet ihr, theoretisch, das Album veröffentlicht, wäre kein Plattenvertrag zustande gekommen?

Wir hätten es wohl selbst hergestellt und vertrieben oder über das kleine Vertriebslabel eines Freundes an den Mann gemacht. Ich bin froh, dass wir mit Lifeforce und Grindscene Records zusammenarbeiten können, beide Firmen unterstützen uns sehr.

Wie kam der Deal mit Lifeforce zustande?

Eigentlich haben wir bloß mit Lifeforce Kontakt aufgenommen und gefragt, ob sie denn unser Album veröffentlichen wollen. Sie waren sofort interessiert, also ging es recht leicht.

"Peace Was Never An Option" - euer neues Album klingt für eure Verhältnisse ungewohnt melodisch, ohne jedoch die extreme, brutale Seite zu vernachlässigen. Warum war Frieden niemals eine Option?

Wir versuchen unsere Musik immer ehrlich zu schreiben und nichts im Vorfeld auszutüfteln. Uns ist egal, was andere Bands machen. Wir konzentrieren uns auf das, was uns glücklich macht. Wenn es andere Leute mögen, ist das ein Bonus. Was mich jedoch verdammt wütend macht, ist wenn man uns als „Technical Death Metal Band“ bezeichnet. Wir haben uns nie so genannt, das haben die Plattenfirmen heraufbeschworen, um uns besser verkaufen zu können. Wir sind eine Metal-Band, Ende der Geschichte. Genres sind der Tod jeglicher Kreativität. Wie zum Henker soll sich Musik weiterentwickeln, wenn du dir Grenzen setzt, über die hinaus du nicht experimentieren darfst? Das ist dumm und einschränkend.

Kannst du mir ein paar Einblicke in die Texte auf diesem Album gewähren?

Wie bei jedem Man Must Die-Album geht es um das gegenwärtige Weltgeschehen, Persönliches und alles dazwischen. Den Albumtitel kannst du auf zwei Arten interpretieren. Einerseits könnte er für die Korruption von Unternehmen und Weltführern stehen. Es ist in deren besten Interesse, alle anderen gegenseitig aufzuhetzen, so dass sie mächtiger und reicher werden. Solange es Krieg gibt, kann man daraus Kapital schlagen. Die andere Interpretations-Möglichkeit liegt in unserer Haltung als Band. Wir hätten uns hinlegen und sterben können, aber wir haben weitergemacht, egal was man uns in den Weg gelegt hat.

Wie bereits erwähnt, ist dies euer bislang abwechslungsreichstes Album. Man findet vermehrt Midtempo-Passagen, lange Songs, klare Gitarren und sogar einen Hauch von Klargesang. Wie bewusst bzw. unbewusst geschah dies?

Es geschah, wie bereits gesagt, organisch. Wir schreiben unsere Musik nicht, um irgendwo dazuzugehören oder mehr Platten zu verkaufen. Wir waren immer schon melodisch, wir mögen Melodien. Ich glaube, dass uns das von anderen extremen Bands unterscheidet: Wir haben keine Angst davor, langsamere oder melodischere Songs zu schreiben. Ja, wir mögen extreme Musik, aber wir hören auch viele andere Sachen, beispielsweise Rock, Rap, Punk, Industrial oder klassische Musik. Wir sind schlicht und ergreifend Musikfans. Einer meiner Haupteinflüsse ist Queen, aber das kannst kaum zu einem Death Metal-Hörer sagen (lacht).

Auf "Abuser Friendly" ist kein Geringerer als Max Cavalera zu hören. Wie kam es dieser Zusammenarbeit und wie ist euer gemeinsamer Song entstanden?

Sein Sohn Zyon kontaktierte uns über Facebook und erzählte uns, dass sein Vater ein großer Fan sei. Von da an nahm es seinen Anfang. Ich nahm mit Max‘ Frau und Managerin Gloria Kontakt auf, wir fragten ihn, ob er einen der neuen Songs einsingen wollte und der Rest ist Geschichte. Ich schickte ihm zwei Versionen – eine, auf der ich alles sang, sodass er die Vocalmuster lernen konnte, und eine, über die er seine Zeilen singen konnte. Außerdem schickte ich ihm die Lyrics, damit er wusste, was ich brüllte (lacht).

Wann wird man euch in Österreich zu Gesicht bekommen?

Wir wollen einige Shows in Europa spielen. Österreich wird da sicher dabei sein.

Die letzten Worte gehören dir:

Vielen Dank an alle Fans für ihre unendliche Unterstützung.

Danke für das Interview und alles Gute für die Zukunft.

Facebook: www.facebook.com/ManMustDie

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