Heaven Shall Burn – VETO

| 19. April 2013 | 0 Comments

Heaven Shall Burn

Drei Jahre nach dem Abschluss der monumentalen „Iconoclast“-Trilogie melden sich Heaven Shall Burn mit einem neuen Album zurück. Viel muss man über die deutsche Death Metal-Institution nicht mehr sagen, zumal sich auf dem Papier nicht sonderlich viel getan hat. Abermals hat Gitarrist Alexander Dietz produziert, abermals kümmerte sich Tue Madsen um den Mix, abermals fasst die Band – thematisch gesehen – heiße Eisen an. Langweilig wird es auf „VETO“ keineswegs, denn der sprichwörtliche Teufel steckt im Detail.

Gleich zu Beginn fällt die angenehm ausdifferenzierte Produktion auf. Wo auf den letzten Platten so mancher Song angesichts des Lautstärkenwahns ein wenig matschig wirkte, wirkt „VETO“ deutlich ausgewogener, ohne dabei an Power zu verlieren. Ein zentrales Thema dieser Platte ist Lady Godiva, die nicht nur auf dem Cover in Form eines Gemäldes von John Collier aus dem Jahr 1898 verewigt wurde. Der Opener „Godiva“ setzt sich mit der angelsächischen Adeligen aus dem 11. Jahrhundert auseinander. Heaven Shall Burn widmen sich hier melodischem Death Metal schwedischer Prägung mit hymnenhaftem Charakter und dem bandtypischen Punch. „Lan Of The Upright Ones“ zeigt, dass es natürlich noch härter geht, erhöht das Tempo drastisch und kreuzt Moderne mit Brechstange. Matthias Voigts Beinarbeit bringt die Doublebass einmal mehr zum Glühen.

Ein entscheidender Faktor bei Heaven Shall Burn-Alben sind die Texte. „You Will Be Godless“, der härteste Song der Platte, widmet sich der katholischen Kirche und rechnet mit dieser ab. Freunde des neuen Papstes werden die Thüringer woll nicht werden. Dass keineswegs alle Christen und Theologen über einen Kamm geschert werden, zeigt sich im Dampfhammer „Antagonized“, der dem kürzlich verstorbenen Walter Schilling gewidmet wurde. Mit dem melodischen, erneut an die schwedische Schule erinnernden „Hunters Will Be Hunted“ drückt das Quintett seine Unterstützung für Sea Shepherd aus, eine NPO, die für Meeresbewohner eintritt. Selbst wenn man sich, warum auch immer, nicht mit den Texten auseinandersetzt – der hymnische Refrain bleibt gewiss hängen.

Highlight dieser Platte und gleichzeitig größte Überraschung ist jedoch „Valhalla“, eine Cover-Version des gleichnamigen Blind Guardian-Klassikers. Heaven Shall Burn haben es sich natürlich nicht nehmen lassen, den Song für sich musikalisch zu adaptieren und daraus eine Melodic Detah Metal-Hymne zu schnitzen. Nicht nur das, im überlebensgroßen Refrain ist Hansi Kürsch zu hören, der einige Zeilen beisteuert. Die kleinen Soli und das ruhige Finale machen den Hit perfekt; nicht nur das, es handelt sich dabei um keinen Bonus-Track, sondern einen regulären Song, der sauber in das Album eingebettet wurde.

Wer zusätzliches Material will, muss tief in die Tasche greifen, denn dieses wurde auf mehrere Editionen verteilt. „European Super State“ von Killing Joke ist fast überall dabei, ebenso ein Mitschnitt des 500. Heaven Shall Burn-Konzerts. Für ein paar Euronen obendrauf gibt es eine dritte CD mit einem exklusiven Mix von Colin Richardson. Darüberhinaus findet man Life Of Agonys „River Runs Red“ sowie eine Neuaufnahme von „Whatever It May Take“ auf iTunes. Klingt massig, ist es auch, vermutlich auch nicht gerade erschwinglich. An der Klasse von „VETO“ kann das jedoch nicht rütteln. Fetter Sound, schwermetallische Bandbreite, starke Texte und prominente Gäste (unter anderem sind auch Macbeth und Born Form Pain auf dieser Platte zu hören) – machen aus diesem Rundling das bislang beste Heaven Shall Burn-Album ohne Wenn und Aber.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 19.04.2013
Erhätlich über: Century Media (EMI Music)

Website: www.heavenshallburn.com
Facebook: www.facebook.com/officialheavenshallburn

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Category: Magazin, Reviews

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