Protest The Hero – Within

(c) Sandra Lee Layden
Endlich selbstständig: Protest The Hero stehen ein Vierteljahrhundert nach Bandgründung komplett auf eigenen Beinen. Nach dem Release von „Palimpsest“ im Sommer 2020 wurde kein neuer Plattenvertrag unterschrieben. Stattdessen konzentrierte sich das kanadische Trio darauf, neuen Stoff nach eigenen Vorstellungen und in Eigenregie aufzunehmen. Was über die letzten Jahre auf Social Media zu verfolgen war, liegt nun endlich vor: „Within“ zeigt eine Band, die endlich auf allen Ebenen Herr ihrer Musik ist und diese Freiheit mit vollem Körpereinsatz auslebt.
Und das geschieht auf erstaunlich konzentrierte Weise – sechs Songs (und zwei Interludes), knapp 36 Minuten, definitiv Klasse statt Masse. Bereits der eröffnende Vorbote „Mouthpiece“ tobt sich mit Urgewalt aus und zeigt Protest The Hero in Reinkultur. Komplett abgedrehter, proggiger Wahnsinn katapultiert sich konzentriert von einem Extrem ins nächste. Nahezu polyrhythmische Attacken, eindrucksvolle Fingerakrobatik, hymnische Emo-Melodik und gutturale Growls finden zusammen. Die Kanadier operieren nahezu durchgehend am Anschlag, es kratzt und keucht an allen Ecken und Enden. Der introspektive Zusammenbruch mittendrin, der nur langsam zurück zum katharischen One-Two-Punch im Abgang führt, rundet das Ding gekonnt ab.
Während man sich noch über diesen bizarren Husarenritt wundert, stößt sich das folgende „Fishhook“ den nächsten Abgrund hinab. Skate- und Pop-Punk-Elemente sind im Grunde keine große Überraschung, fügen sich wunderbar nahtlos in den atemlosen Mix ein. So viel Drama hauen sonst eigentlich nur Panic! At The Disco raus, herrlich theatralischer Balladen-Abschnitt inklusive. Hingegen überschlägt sich der abschließende Gigant „The Mariner“ immer wieder. Math-artige Eruptionen mit spitzen Schreien werden von geradezu monoton intonierten Passagen abgelöst, bevor das Spiel von vorne losgeht. Erstaunlich spacige Abschnitte, ein Hauch Queen sowie Coheed And Cambria mittendrin zum Ende hin – das kann man so machen. Wie man auch „The Orchard“ einfach lieben muss, das kuriose Midtempo-Hektik mit einer der besten Melodien der Bandgeschichte verbindet.
So filigran kann kompletter Wahnsinn klingen: Protest The Hero kondensieren komplette, kollektive Ekstase auf etwas zu kurzer Spielzeit – der einzige, minimale Kritikpunkt an einer ansonsten fantastischen Platte. „Within“ überrollt mit Anlauf und hat ohne Frage das Zeug zum Bandklassiker. Wütende Explosivität, großes Drama für Theatre Kids und der bestens vertraute Stilmix geizen nicht mit Überraschungen, zelebrieren aber letztlich die komplett überdrehte, leidenschaftliche Eigentümlichkeit der Kanadier. Das Trio nutzt diese kreative Freiheit mit einer abgedrehten, zugleich hochgradig bekömmlichen Platte, die kaum furioser klingen könnte. Vielleicht ist an der Doppelalbum-Theorie tatsächlich etwas dran, wobei die sprichwörtliche Messlatte höher denn je liegt.
Wertung: 9/10
Erhältlich ab: 17.07.2026
Erhältlich über: Eigenvertrieb
Website: protestthehero.ca
Facebook: www.facebook.com/protestthehero


Letzte Kommentare