Protest The Hero – Palimpsest

| 17. Juni 2020 | 0 Comments
Protest The Hero

(c) Protest The Hero

Rody Walkers Stimme ging auf dem Höhepunkt der Tour zu „Volition“ verloren. Protest The Hero mussten ihre Tour-Aktivitäten durch Europa und Japan absagen, die Schäden schienen irreparabel zu sein. Unzählige Coachings und Proben später arbeitete sich der Frontmann zurück und war vor allem angepisst. Zugleich ließen die Kanadier die auf ihrer letzten Platte bewusst gesetzen Grenzen fallen und verloren sich erneut in unzähligen Details. „Palimpsest“ ist der erste Output seit knapp vier Jahren und das erste Album seit 2013.

Anstatt sich selbst einzuschränken und das Spontane voranzutreiben, sondert das Quartett nun also wieder seinen vollen Wahnsinn ab. Und genau das kommt gut, denn irgendwo zwischen Progressive Metal, Post-Hardcore und ein wenig Math explodieren die Kanadier wiederholt. Zu den Schönheiten der Platte zählt „The Fireside“. Hier zeigt Walker, dass die Stimmbänder wieder wunderbar arbeiten. Er singt eine Spur melodischer als zuletzt, bringt dennoch ausreichend Biss und Wucht mit. Dahinter tummelt sich ein herrlich komplexes Arrangement zwischen Prog-Rock-Fanfaren, unorthodoxen Breaks und verworrenen Rechenschieber-Studien. Wenn aus dem Dickicht hymnische Passagen brechen, geht die imaginäre Sonne auf.

„Palimpsest“ punktet vor allem durch seine musikalische Dichte, denn Schwachstellen sucht man vergebens. In „Gardenias“ dreht die Band komplett am Rad. Spitze Schreie, Growls und vorsichtiger Gesang lassen die Luft brennen, furiose Energie zwischen The Blood Brothers und Between The Buried And Me breitet sich aus. Diese Unruhe begleitet weite Teile der Platte, nimmt jedoch höchst unterschiedliche Formen an. „The Canary“ ist melodisch, hymnisch und erhaben, „Soliloquy“ eine dramaturgische Meisterleistung in einem Meer an wilden Breaks und „Rivet“ die Ode an Alternative und Neo-Prog mit knisternder Atmosphäre.

Natürlich drehen Protest The Hero wieder komplett am Rad, doch gerade das macht die Kanadier so sympathisch. „Palimpsest“ ist nicht nur die Rückkehr zum ohnehin nur dezent reduzierten Wahnsinn, es ist vor allem ein kräftiges Lebenszeichen von Rody Walker, der auf sympathische Weise angepisst wirkt und nun erst recht zeigen möchte, dass er nichts verlernt hat. Protest The Hero bleiben eine Progcore-Bank mit einem weiteren durchgeknallten Leckerbissen der hymnisch-verstörenden Sorte.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 19.06.2020
Erhältlich über: Fearless Records / Spinefarm Records (Universal Music)

Facebook: www.facebook.com/protestthehero

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Category: Magazin, Reviews

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