Godthrymm – Projections

| 26. Mai 2026 | 0 Comments
Godthrymm

(c) Frank Ralph

Nach etwas über sechs Jahren biegen Godthrymm auf die Zielgerade ein. Für die Band um ehemalige Mitglieder von My Dying Bride steht der Abschluss einer Album-Trilogie an, die im Februar 2020 mit „Reflections“ begann und im Sommer 2023 mit „Distortions“ eine Fortsetzung erfuhr. Abermals hat sich der Doom-Ansatz der Briten weiterentwickelt, begleitet von der einmal mehr erweiterten Besetzung (mit Kris McLaughlin gibt es nun einen zweiten Gitarristen). „Projections“ bemüht Finalität und signalisiert gleichzeitig den Beginn einer aufregenden musikalischen Zukunft.

Das kantige „Trenches Deep“ eröffnet mit einer bekömmlichen Mischung aus Melodik und Heavyness. Hamish und Catherine Glencross teilen sich die Vocals mit Adie Bailey (English Dogs) und Jay Walsh (Xentrix), der furiose Mittelteil attackiert sämtliche Sinne gleichzeitig. Noch prominenter ist nur der Beitrag von Aaron Stainthorpe in „Endure My Skin“, eine weitere My Dying Bride-Mini-Reunion. Konzentrierte er sich auf dem Vorgänger noch auf das gesproche Wort, so zeigt Stainthorpe im neunminütigen Giganten seine Gesangskünste. Packende Dramaturgie, gequälte Gitarrenarbeit und obligatorische Melancholie statten diese monumentale Monstrosität aus.

In „Hope Is Eternal“ ist Catherine Glencross ganz allein zu hören. Der majestätische und zugleich knüppelharte Track dankt es ihr, gewinnt zusehend an Intensität und verbindet schillernde, ätherische Harmonien mit schierer Wucht. Das erinnert ein wenig an den düsteren Death-Doom-Ansatz mit Gothic-Flair von Hanging Garden. Sägender, metallischer und erdrückender gestaltet sich hingegen „Truth In My Own“, dessen rohe, ungeschliffene Urgewalt wundervolle Schmerzen bereitet. Hamish Glencross holt alles aus seinen Stimmbändern heraus, von Schmerz gepeinigt und Verzweiflung geplagt, während die Band stoisch marschiert. Der zunehmend überdrehte Schlussakt mit ranzigen Gitarren, abgedrehtem Solo und tödlicher Zuspitzung wird zum krönenden Highlight.

Irgendwo zwischen minimaler Häutung und konzentrierter Weiterentwicklung platziert sich der intensive Abschluss dieser „Visions“-Trilogie. Godthrymm treiben ihr Finetuning konsequent voran, stellen ihren Doom Metal noch vielfältiger auf und decken so ziemlich alles von nahezu tödlicher Härte über düstere Gothic-Momente bis hin zur etatmäßigen hymnischen Magie ab. Das abermals erweiterte Line-up, starke Gäste und die nächste kleine My Dying Bride-Reunion beflügeln „Projections“ in jeder erdenklicher Hinsicht. Echte Doom-Meister zeigen einmal mehr, was Sache ist, und lassen sowohl musikalisch als auch thematisch eine wohl goldene Zukunft mit Hochspannung erwarten.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 29.05.2026
Erhältlich über: Profound Lore Records (SPV)

Website: godthrymm.com
Facebook: www.facebook.com/godthrymm

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Category: Magazin, Reviews

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