Monosphere – Amnesia

(c) Maik Pasemko
Wenige Bands ziehen ihr Ding so konsequent und selbstbewusst durch wie Monosphere. Seit ihrem vor gut vier Jahren erschienenen Einstand „The Puppeteer“ sorgt das deutsche Quartett für willkommenen Wahnsinn in diversen Prog-, Core-, Post- und Extreme-Spielarten, tourt fleißig, spielt diverse Festivals und hat regelmäßig neues Material am Start. Dass man dabei auf eigenen Beinen steht und stets etwas Neues versucht, spricht für die unbändige Kreativität und das starke Bauchgefühl der Band. „Amnesia“ ist bereits ihr drittes Album.
Und das hat es – wenig überraschend – einmal mehr in sich. Tracks wie „Nadir“ unterstreichen das noch besser gewordene Songwriting, das mehr denn je wie aus einem Guss wirkt. Gemeinsam mit Despite Exile wird langsam, geradezu episch aufgebaut, mit vorsichtigen, durchaus intimen Tönen. Nach zwei Minuten geht das Ding urplötzlich durch die Decke, spielt mit Blackened Death, etwas Grind und Math, nur um nach diesem manischen Plateau wieder langsam, fast gemächlich abzuebben, wenngleich weiterhin mit fiesen Vocals und giftiger Aggression ausgestattet. Im Vergleich dazu wirkt „Limbic“ direkt und kompakt, ist mit gut drei Minuten einer der kürzesten Songs. Das Zusammenspiel von Synthetik sowie abgedrehten Prog- und Tech-Einschüben kommt gut.
In diesen epischen Giganten, die vor allem das Ende dieses Albums auskleiden, fühlen sich Monosphere aber so richtig zuhause. Ein „Zenith“ überfordert erst einmal mit Nachdruck, explodiert sofort aus den Boxen und verbindet Wut mit Chaos. Auf diesem Fundament entsteht sympathischer Wahnsinn mit einer der besten Gesangsperformances dieser Platte, umgebunden von funkelnder Synthetik. Modere Prog-Ausritte wechseln sich mit Stakkato-Attacken ab, ein stetes Auf und Ab führt durch einen wahnwitzigen Giganten. „Dissolve“ ist sogar noch einen Hauch länger und kratzt an der Zehn-Minuten-Marke. Erstaunlich anmutige Heavyness und ein starker Auftritt von Mark Garrett (u. a. Kardashev) führen in das labyrinthartige Arrangement, dessen Groove von rasender Wut zerlegt wird. Die vergleichsweise ruhige, dramatische zweite Hälfte serviert einmal mehr progressive Musik höchster hymnischer Güteklasse.
Wieder etwas anders und weiterhin bärenstark: Monosphere zerlegen alles mit ausgesuchter Präzision, selbst inmitten Wellen zermürbender Urgewalt, und klingen stellenweise noch härter. Das liegt vor allem am unfassbaren Druck, den speziell die Epen in der zweiten Albumhälfte ausüben. Zugleich bemühen sich diese um mächtige Hooks, sorgsam arrangierte Prog-Spannungsbögen und unterstreichen damit das exzellente Songwriting, das bereits in der Vergangenheit verdiente Vergleiche mit The Hirsch Effekt und Between The Buried And Me einbrachte. „Amnesia“ reiht sich dort einmal mehr ein, bleibt der lässigen Eigentümlichkeit der Vorgänger treu und fordert einmal mehr heraus. Monosphere überfordern mit wachsender Begeisterung und haben eine spannende Platte geschaffen, die wie aus einem Guss durch zerstörerische Fluten und filigranste Ebbe fließen – große Kunst mit mächtig Wumms.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 13.03.2026
Erhältlich über: Monosphere (Blood Blast Distribution)
Website: monosphere.net
Facebook: www.facebook.com/monosphereband


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