Distaste – Agoniepositur

(c) Thomas Keplinger
Distaste haben ihren Groove gefunden, selbst wenn es gerade richtig schön laut zugeht. Der Wechsel zu FDA Records bekam den heimischen Krachmachern hervorragend, mit „Der Ertraeger und das Fleisch“ präsentierten sie vor zwei Jahren eine echte Ausnahmeplatte, mit der sie verdientermaßen durch die Decke gingen und zugleich musikalisch gefährlicher denn je klangen – mit HM2-Sägewerk, Blackened-Ansätzen und sogar etwas Death Doom. Exakt da soll „Agoniepositur“ nun ähnlich vehement weitermachen.
Und tatsächlich stellt sich auch dieser Longplayer angenehm breit auf. Das furiose und zugleich unfassbar präzise „Endzweck Geschroepf“ bringt Deathgrind, Melodic Death Metal und sogar kleinere Blackened-Untertöne in 110 Sekunden perfekt auf den Punkt, rattert aggressiv durch und erinnert an die besten Zeiten von Carcass. Das kommt natürlich von Herzen, wie auch „Gottes Geschenk an die Menschheit“ – selbstverständlich ein herrlich finsterer, abstoßender Track, dessen nahezu groovender Mittelteil sofort ins Ohr geht und von einem erstaunlich epischen Solo abgerundet wird. Hingegen serviert „Furunkelmann“ vergleichsweise straighte Grind-Action und nimmt sich kein Blatt vor den Mund – war auch nicht anders zu erwarten
Starke Tracks hat dieser Longplayer in Hülle und Fülle, darunter das explosive „Nestbeschmutzer“, das mit seinem Groove-Auftakt täuscht und urplötzlich durch die Decke geht. Im Titelsong nehmen Distaste schließlich das Tempo komplett heraus und vermengen Death Doom mit Black Metal – dezent frostig und maximal erdrückend. Jede einzelne Note trifft mitten ins Herz. Damit fällt zwar keine „Last“ ab, doch kann der wunderbar abgedrehte gleichnamige Song auf ganz andere Weise abräumen – mit höchstem Tempo und kompromisslosen Muskelspielen, wie sie auch der blastende „Alpinist“ beherrscht, bevor der Klettersteig plötzlich kollabiert.
Distaste halten das unfassbar hohe Niveau der jüngeren Vergangenheit und räumen auch dieses Mal auf allen Ebenen ab. Zwar gibt es auf „Agoniepositur“ keine großen neuen Erkenntnisse, doch vermisst man diese auch nicht. Stattdessen sorgt eine der besten Extreme-Bands des Landes mit furioser Kompromisslosigkeit, textlicher Präzision und der einen oder anderen Überraschung für ein weiteres verstörendes Highlight. Die Nackenmassage gestaltet sich fatal – ein weiterer absoluter Überflieger von der ersten bis zur letzten Sekunde.
Wertung: 9/10
Erhältlich ab: 24.10.2025
Erhältlich über: FDA Records (Cargo Records)
Facebook: www.facebook.com/distastegrind
Category: Local Bands, Magazin, Reviews


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