Wolves – This Is A Record Called Self-Titled By A Band Called Wolves

(c) Ripcord Records / Wolves
Kathartisches Chaos, große Emotionen und der Drang nach Präzision inmitten des Wahnsinns – für Wolves finden diese bestenfalls vermeintlichen Widersprüche gar hervorragend zusammen. Die fünf Musiker spielten in diversen britischen Bands, fanden sich 2016 zuerst als When The Wolf Comes Home und schüttelten zwei überfordernde, wahnwitzige EPs aus dem Ärmel. Erst eine Lockdown-Zwangspause und die damit verbundene Zeit fürs Private ließ Mitglieder und Sound reifen. Das Ergebnis sollte heavier und durchdachter ausfallen. „This Is A Record Called Self-Titled By A Band Called Wolves“ trägt nicht nur einen fantastischen Titel, sondern münzt zugleich trockenen Humor in packende Tracks um.
Der Auftakt schreit „LEECHES!“ regelrecht ins Gesicht und überspitzt die Mathcore-Erwartungen vergangener Releases mit wachsender Begeisterung. Nervöse, hektische Atemlosigkeit und gleich mehrere Nackenschläge in rastlosem Tempo lassen keinen Zweifel über die Chaos-Qualitäten der Briten aufkommen. Das anschließende „Reformed (Try Love)“ fährt ebenfalls erst einmal in bester Dillinger Escape Plan-Manier ins Gesicht und entlädt sich mit unfassbarer Wucht. Das hier nähert sich der Perfektion und überrascht mittendrin mit einem jazzigen Break, aus dem fast so etwas wie martialischer Groove für den großen Schlussakt entsteht.
Wie sehr Wolves in den letzten Jahren gewachsen sind, zeigt der Siebenminüter „New Liver, Same Eagle“, der mit Old School Metalcore, mit proggigen Ideen und ordentlich Post-Hardcore durch die Decke geht. Geflüsterte Passagen, klare Gitarren, Art-Rock-Anwandlungen und brachiale Heavyness nebst Melodieansätzen lassen Großes vermuten. Das setzt es auch im Fall von „Nicaea To See You (To See You Nicaea)“, das Bruce Forsyth und den Bilderstreit verbindet. Warum das so ist, sollte man nicht hinterfragen, während derbe Math-Ausritte und angedeutete eingängige Passagen nach und nach in Richtung perfekte Symbiose gehen. Die bemüht auch „A Guide To Accepting One’s Fate“, dessen verzweifelte Screams und erstaunlich rockigen Riffs mal eben in Richtung Every Time I Die schickt.
Fortschrittlicher Mathcore bietet Nahrung für die Seele und verdreht im Vorbeigehen nicht nur den Kopf. Der Erstling auf Albumlänge von Wolves ist auf wundervolle, wundersame Weise kaputt und passt doch perfekt zusammen – vermeintlich paradox und letztlich logisch. Das zügellose, unvorhersehbare Chaos liebt das Quintett weiterhin, zeigt zugleich jedoch spürbare Musikalität. Das Herz für Heavyness, für proggige und jazzige Einschübe sowie der metallische Irrsinn finden bestens zusammen und ergeben eine kleine Perle von einem Album, das nicht nur Fans der erwähnten Bands zusagen sollte – ein abgefucktes und doch so wohliges Highlight.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 05.09.2025
Erhältlich über: Ripcord Records
Facebook: www.facebook.com/theycalluswolves


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