Mario Lalli & The Rubber Snake Charmers – Folklore From The Desert Cities

| 29. März 2024 | 0 Comments
Mario Lalli & The Rubber Snake Charmers

(c) Mario Lalli & The Rubber Snake Charmers

Obwohl sie aktuell ihr erstes, live aufgenommenes Album vorlegen, reicht die Geschichte von Mario Lalli & The Rubber Snake Charmers deutlich weiter zurück. Bereits 2010 gründete Lalli (Fatso Jetson, ehem. Yawning Man) das auf psychedelische Live-Performances fokussierte Kollektiv, das seither zum Revolving Door des Who-is-Who des Desert Rock mutierte. In der aktuellen Besetzung um Brant Bjork (Kyuss), Ryan Güt (Stöner) und Wüsten-Poet Sean Wheeler wurde während der jüngsten Australien-Tour ein komplettes erstes Album live eingespielt. „Folklore From The Desert Cities“ widmet sich Geschichten aus der Mojave-Wüste.

Vier ellenlange Songs greifen auf packende Weise ineinander, leben vom rohen Live-Sound und wirken dabei organisch, spontan, zugleich unheimlich fokussiert. Das eröffnende „Creosote Breeze“ tänzelt durch bleierne Schwere und kosmische Leichtigkeit. Wheelers wortreiche Meditationen glänzen durch präzise, packende Beobachtungen. Eine stoisch agierende Rhythmusabteilung um Lallis präzise Grooves sorgen für ein tänzelndes Fundament. Erstaunliche Heavyness mittendrin, nahezu stetes Verharren in meditativer Sprunghaftigkeit, dazu ein kaum wahrzunehmender Übergang in den nächsten Song – das macht unheimlich viel Laune.

Jeder einzelne Song – achteinhalb bis elf Minuten lang – strahlt schier unfassbare Faszination aus und schafft einzigartige Klangwelten. Die forsche Energie von „Swamp Cooler Reality“ trifft auf das losgelöste Heulen des Poeten, der im Abgang des Quasi-Titelsongs „Other Desert Cities“ den alten, unter anderem von Nirvana popularisierten Folk-Song „Where Did You Sleep Last Night“ zitiert. Dass sich davor eine zunächst drückende und scharfkantige, später zurückgenommene Desert-Psych-Jam-Nummer offenbart, die sich ausdrücklich vor Bandleader Lalli verneigt, passt ins Bild. Im abschließenden „The Devil Waits For Me“ geht die Band komplett aus sich heraus. Wheeler singt, schreit und spuckt, die Distortion nimmt zu und bemüht ein lautes, chaotisches Finale. Der anschließende Applaus ist hochgradig verdient.

Manche Alben haben Qualitäten, denen man mit Worten nicht annähernd gerecht werden kann. „Folklore From The Desert Cities“ ist exakt das. Natürlich lassen sich die Psych-Elemente, das reiche musikalische Erbe – die Musiker kennen sich teils über drei Jahrzehnte – und das blinde Verständnis auf der Bühne ausführlich beschreiben. Und doch muss man diese vier ellenlangen Tracks letztlich selbst erleben. Groove, Gefühl, Heavyness, ein angenehm ungewöhnlicher wie abgedrehter Frontmann, urplötzlich einsetzende Rauschzustände und ein willkommenes Händchen für absoluten Wahnsinn begleiten diese grandiose Momentaufnahme, die ohne Frage zu den absoluten Desert-Highlights der letzen Jahre zählt. Wenn das kein Grund ist, Lalli und Band live erleben zu wollen …

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 29.03.2024
Erhältlich über: Heavy Psych Sounds Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/RUBBERSNAKECHARMERS

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Category: Magazin, Reviews

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