Fjørt – nichts

| 11. November 2022 | 0 Comments
Fjørt

(c) Sophia Roßberg

Da sind sie wieder, nach fünf langen Jahren. Fjørt waren eine ganze Weile etwas unsichtbarer unterwegs, bis sie im August acht Konzerte in acht Locations in zwei Städten binnen 36 Stunden spielten, um ihr bisheriges Schaffen zu zelebrieren. Am Ende kündigten sie ihr viertes Album an, das noch wuchtiger, direkter und intensiver ausfällt. „nichts“ bietet sich natürlich für zahlreiche Wortspiele an, lebt aber vor allem von schonungsloser, wuchtiger und ungezügelter Energie.

Bezeichnend für dieses alte, neue Fjørt-Selbstverständnis ist ein Duo zu Beginn des zweiten Albumdrittels. Zunächst packt „schrot“ ohne Umwege zu, gibt sich schäumend bis wütend, geifert und packt dicke Riffs ab. So unverblümt und beißend kannte man das Trio bislang kaum. Im direkten Anschluss geht „kolt“ sogar ein wenig ins Ohr. Natürlich rastet man gerade im Refrain aus, doch können die verhalten melodischen Texturen rundherum so richtig abräumen. Auch in „fernost“ hört man das Trio durchaus eingängig, nahezu hymnisch. Fast möchte man von einem Hit sprechen … und tut es letztlich auch, denn der Chorus geht nicht mehr aus dem Ohr.

Eingerahmt wird die Platte hingegen von komplexen, monolithischen Giganten. „nichts“ eröffnet die Plätte mit zentnerdicken Wänden, die sich erst aus dem zunächst zaghaften Post-Rock-Aufbau lösen müssen. Ein gewaltiges Crescendo rund um Variationen des Song- und Albumtitels torpediert sämtliche Sinne. Hingegen geht „lod“ nach einem fragilen Intro in die Vollen und bemüht mehr Heavyness denn je. Ein Hauch Post Black Metal schwingt mit, auch für verkrusteten Dreck bleibt Platz, doch wenn sich der Song nach einer kleinen Zäsur zu einem finalen Rundumschlag ausholt, ist alles mehr als eitel.

Ihr viertes Album könnte auch ihr bestes sein: Kamen auf dem Vorgänger „Couleur“ noch die teils recht unterschiedlichen Klangwelten der Vorgänger zusammen, so schlägt „nichts“ ein neues Kapitel mit vertrauten Mitteln auf. Fjørt bemühen selbstverständlich vertraute Post-Hardcore-Welten, benutzen diese letztlich aber vornehmlich als Sprungbrett für neue musikalische Welten und Forschungsreisen. Mehr Härte, mehr Eingängigkeit, mehr Komplexität und mehr Brechstange ergeben ein ausdifferenziertes, vielschichtiges Werk, das sich im Laufe der knapp 50 Minuten konstant häutet und dennoch wie aus einem Guss wirkt, die Dinge beim Namen nennt, und zugleich anspruchsvoller denn je rüberkommt. Was für ein wahnwitziges Brett.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 11.11.2022
Erhältlich über: Grand Hotel van Cleef (Indigo)

Website: www.fjort.de
Facebook: www.facebook.com/fjort

Slider-Pic (c) Sophia Roßberg

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Category: Magazin, Reviews

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