Fjørt – Couleur

| 17. November 2017 | 0 Comments
Fjørt

(c) Andreas Hornoff

In zwei Alben zum Genre-Thron: Mit „D’accord“ und „Kontakt“ legten Fjørt eine überlebensgroße Post-Hardcore-Punktlandung inklusive cleverer, politisch und gesellschaftskritisch anspruchsvoller Texte hin. Von Ruhe und Müßiggang hält das Trio aus Aachen allerdings herzlich wenig. Noch vor dem Ende der magischen Zwei-Jahres-Marke steht „Couleur“ in den Läden. Musikalische Öffnung und drastische Worte gehen Hand in Hand.

Das eröffnende „Südwärts“ steht exemplarisch für ein Album, das vertraut und doch ganz anders wirkt. Alles an diesem Track ist typisch Fjørt, wendet sich zugleich neuen Ufern zu. Die mächtige Heavyness weckt zarte Erinnerungen an NDH und Groove Metal, eingebettet in klassisch-klaustrophoben Post-Wahn. Ein „Raison“, dieser dicke Mittelfinger an die extreme Rechte, taucht hingegen noch tiefer in atmosphärische Klänge ein und illustriert das Faible der Aachener für episch angehauchten Post Rock.

Schnell zeigt sich: So ziemlich jeder dieser elf Tracks ist, für sich genommen, ein kleiner Hit. „Bastion“ lässt mehrere musikalische Welten miteinander kollidieren, verbindet kalte Schauer mit schierer Wucht. Im Titelsong knüpfen Fjørt ein wenig an ihre ersten beiden Alben an, wirken zugleich angriffslustig und tiefenentspannt. In „Windschief“ halten erneut dezente Black-Metal-Elemente Einzug und treiben herrlich mächtige Strophen durch die atmosphärische Seite des Genres. Wenn „Karat“, das Überlegungen über den plötzlichen Untergang des Seins anstellt, schließlich im Loudness-Sumpf versinkt, stellt sich Verzückung ein.

Tatsächlich ist „Couleur“ die erhoffte Schnittmenge der ersten beiden Platten, um neue musikalische Facetten erweitert, geworden. Fjørt geben sich noch eine Spur bissiger und unberechenbarer, bemühen sich zugleich mehr denn je um dichte Atmosphäre, und zeigen sich überdies textlich von ihrer besten Seite. Anders gesagt: „Couleur“ bündelt alle Stärken des Trios auf ein von vorne bis hinten großartiges Album mit Suchtfaktor. Spätestens jetzt ist man der Konkurrenz enteilt.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 17.11.2017
Erhältlich über: Grand Hotel van Cleef (Indigo)

Website: www.fjort.de
Facebook: www.facebook.com/fjort

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Category: Magazin, Reviews

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