Fjørt – Kontakt

| 22. Januar 2016 | 0 Comments
Fjørt

(c) Andreas Hornoff

Eine wahre Explosion, ein förmliches Rauschen im Core-Blätterwald erhob sich vor knapp zwei Jahren, als Fjørt ihr Album „D’accord“ veröffentlichten. Plötzlich waren neue deutschsprachige Post-Hardcore-Hoffnungsträger gelandet, erwartete Vergleiche hin oder her. Die Zeit danach verbrachte das Trio vornehmlich auf Tour, wo Feinschliff angelegt wurde. Nun der Wechsel zu Grand Hotel van Cleef, vornehmlich als Edel-Label für deutschsprachigen Indie-Rock bekannt. Keine Sorge, Fjørt haben nichts von ihrer melancholischen Wut verloren. Mit „Kontakt“ legen die Aachener nun souverän nach.

Das Überraschungsmomentum ist vorüber, der Hype etwas abgeebbt. Was bleibt, sind gute Songs. „In Balance“ eröffnet den Reigen mit ein wenig Bassgewitter und ordentlich Behäbigkeit. Der Midtempo-Groove wirkt unorthodox, mehr wie eine Art Vorbereitung auf das weitere Geschehen. Bereits im folgenden „Anthrazit“ schleichen sich verführerische Melodien ein, die auf kathartische Wut und einen Hauch von Zusammenbruch treffen. Die mächtige, druckvolle Präsentation, getragen von schier endlosen Gitarrenwänden und dezent verschmitztem Lächeln, wird zum Winner über Umwege.

Natürlich machen Fjørt Druck nach vorne, setzen ihre Attacken noch pointierter und präziser ein. Wenn aus dem nachdenklichen „Revue“ unvermittelt Schreie schießen und mit spitzen Dornen in die Seele eindringen, ja sogar einen Hauch von Black-Metal-Energie gegen Ende transportieren, ist das Monster gelandet. Zu den besten und wichtigsten Songs auf „Kontakt“ zählt „Paroli“. Sänger Chris war an jenem Tag in Paris, als ein Blutbad in der Redaktion der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ angerichtet wurde. Mit einem nachdrücklichen „Haltet stand!“ sagt er PEGIDA und ähnlichen Arschloch-Institutionen den Kampf an.

So ganz kommt die neue Platte nicht an „D’accord“ heran, das zum damaligen Zeitpunkt aber auch wie aus dem Nichts Druck über Gebühr machte und Fjørt an die Speerspitze einer bewegenden Welle des Thinking Man’s Hardcore setzte. Die Erwartungen an „Kontakt“ waren groß und wurden erfüllt, auch wenn es für den erhofften Überflieger nicht ganz gereicht hat – Bauchgefühl, freilich, denn auch das neue Material brennt sich wunderbar ins Hinterstübchen ein. Fjørt sind und bleiben wichtig, halten die Messlatte souverän hoch.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 22.01.2016
Erhätlich über: Grand Hotel van Cleef (Indigo)

Website: www.fjort.de
Facebook: www.facebook.com/fjort

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Category: Magazin, Reviews

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