Birds In Row – Gris Klein

| 14. Oktober 2022 | 0 Comments
Birds In Row

(c) William Lacalmontie

Anonymität und Genre-Bending, diese unheilige Allianz begleitet Birds In Row mittlerweile seit über einem Jahrzehnt. Das Trio aus Laval in Frankreich sprengt seit „You, Me & The Violence“ Grenzen mit wachsender Begeisterung und verzichtet darauf, eigene Namen zu nennen, um stattdessen als Band-Einheit aufzutreten. Ihre dritte Platte entstand vor allem im ersten Lockdown und ist hörbar von den Ängsten, Unsicherheiten und gesellschaftlichen Unruhen der letzten beiden Jahre geprägt. Zudem beschreitet „Gris Klein“ neue musikalische Pfade mit dynamischer Intensität.

Ein Song wie „Noah“ reizt sechseinhalb Minuten lang die Möglichkeiten des eigenen Sounds aus und hangelt sich über schier endlose, zunehmend aggressive Loops in Richtung Wahnsinn. Aus dem schwerfälligen Post-Hardcore-Spannungsaufbau entspringen wütende, durchschlagende Fanfaren, die Vocals werden zunehmend forscher und verzweifelter, während rundherum eine gewisse feine melodische Klinge mitschwingt. Und doch bleibt die komplette Eskalation aus. Die kommt dafür in „Trompe l’oeil“ durch, wiewohl der folkig angehauchte Aufgalopp zunächst auf die falsche Fährte führt. Irgendwann explodieren die Franzosen und ziehen in einen störrischen, noisigen Abgrund hinab, dessen Ellbogeneinsatz wohlige Schmerzen bereitet.

Doch auch jenseits des XXL-Formats brillieren Birds In Row mit wachsender Begeisterung. „Winds, Yet“ führt abermals auf die falsche Fährte mit Schönklang, bevor das Chaos einsetzt und die erste von unzähligen dicken Wänden lostritt. Hardcore, Punk und Metal geraten an ihre Eskalationsgrenzen, selbst die Stimmbänder scheinen zu kapitulieren. „Daltonians“, ein Track über Falschinformationen, dreht in bester chaotischer Post-Hardcore-Manier am Rad und findet doch immer wieder Zeit für ein kurzes Verschnaufen. Hingegen springt „Nympheas“ sogleich in media res mit den vielleicht härtesten, brutalsten Momenten der Platte, auf die störrische Gleichförmigkeit folgt. Nahezu rockige Rifflast kollidiert mit hymnischer Sehnsucht und dem feinsten Hauch einer Melodie.

Kaum verhallen die letzten Töne, mischt sich etwas Erleichterung ins Seelenleben, begleitet vom unbedingten Drang, dieses widerspenstige Wechselbad der Gefühle erneut erleben zu wollen. Auf „Gris Klein“ erreichen Birds In Row tatsächlich ein neues Level, so vielschichtig wie – im besten Sinne – unvorhersehbar und packend. Komplexe Intensität trifft auf fahle Hoffnungsschimmer in einer Welt, die sich selbst vermehrt zerlegt. Der Soundtrack dazu geht unter die Haut und nistet sich dort wie ein fieser Parasit ein, in den man sich letztlich doch nur verlieben kann – ein Happening mit Suchtfaktor.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 14.10.2022
Erhältlich über: Red Creek Recordings / Season of Mist (Soulfood Music)

Website: wearebirdsinrow.com
Facebook: www.facebook.com/birdsinrow

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Category: Magazin, Reviews

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