Nebula – Transmission From Mothership Earth

| 22. Juli 2022 | 0 Comments
Nebula

(c) Nebula

Das Studio-Comeback vor gut drei Jahren war glücklicherweise keine Eintagsfliege: Nebula meldeten sich im Sommer 2019 mit „Holy Shit“ erfolgreich zurück. Die ungekrönten Stoner-Fuzz-Könige klangen, als hätte es die lange Auszeit nie gegeben. Mit den erhofften Live-Gigs ging zwar nicht viel, dafür wurde die angestaute Kreativität direkt in neues Material investiert. Spacig, fuzzy und betont wüst: „Transmission From Mother Earth“ erfüllt sämtliche Ansprüche mit Bravour.

Die beiden eröffnenden Songs führen nahtlos ineinander und verursachen geschmackvolles Chaos mit bratender Schwere. „Highwired“ braucht eine ganze Weile, um die leicht verpeilte Heavyness in geregelte Bahnen zu lenken. Von der drückenden Psych-Lead-Gitarre geschickt umgarnt, tauchen die Vocals aus den Untiefen des Arrangements auf und suchen nach einer Auflösung, die erst im angehängten Titelsong „Transmission From Mother Earth“ folgt. Ein überraschendes Country-Motiv führt kurz auf die falsche Fährte, schon überschlagen sich die Distortion-Pedale erneut. Klare Passagen treffen auf verfremdeten Gesang, dann wird die Desert-Schwere fast schon bluesig.

Während man sich noch wundert, was hier gerade passiert ist, legt der ruppige „Existential Blues“ los. Nebula übersteuern sämtliche Verstärker mit wachsender Begeisterung, wobei gerade der Bass in den Ohren brennt und selbst nahezu fuzzige Wirkung entfaltet. Dieses Kuriosum verbindet sich nahtlos mit dem nächsten ungewöhnlichen Jam. „Warzone Speedwulf“ ist der etatmäßige überlange Song, schießt auf psychedelisch-spacige Weise über die Sieben-Minuten-Marke hinaus und sucht nach einem Leitmotiv, das es nicht gibt. Verschiedenste Parts werden ausgespuckt und aneinandergekleistert, scheinbar wahllos und doch irgendwie sympatisch. Das Trio lässt sich treiben und geht in der eigenen Weirdness auf.

Und weird ist diese zweite Post-Reunion-Platte abermals, bloß auf verdammt gute Weise. Gefühlt gibt es keine Regeln im Hause Nebula; Hauptsache, die Distortion stimmt. „Transmission From Mother Earth“ lässt sich im besten Sinne treiben und steuert Ufer an, die erst aufgeschüttet werden müssen. Insgesamt findet sich hier mehr von allem: mehr Desert, mehr Psych, mehr Space, mehr Fuzz, mehr Kuriosum, mehr Riffgewalt. Was hier exakt passiert, was die Beweggründe hinter den präzise inszenierten Stilbrüchen sind, bleibt meist ein Rätsel, das eigentlich keiner Auflösung bedarf: Nebula zeigen sich so schräg und starrköpfig wie in ihren besten Zeiten, begleitet von richtig guten Songs.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 22.07.2022
Erhältlich über: Heavy Psych Sounds Records (Cargo Records)

Website: atomicritual.com
Facebook: www.facebook.com/NebulaBand

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Category: Magazin, Reviews

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