Horndal – Lake Drinker

| 6. April 2021 | 0 Comments
Horndal

(c) Daniel Liljas

Wenn Horndal in die Saiten hauen, fühlt man sich an „Fargo“ erinnert, bloß mit deutlich wahrhaftigeren Geschichten. Nach einer schwedischen Kleinstadt benannt, widmet sich das Quartett dem Kollaps der Stahlmühle in dieser einst lebhaften Industrie-Ortschaft, die in weiterer Folge dem Verfall preisgegeben wurde, bevor amerikanische Investoren falsche Versprechungen machten. Das war der Plot des Debüts „Remains“, nun geht es um die Zeit danach. „Lake Drinker“ zeigt, was passiert, wenn man einen Deal mit Teufel eingeht, wie der letzte Rest aus einer längst erschöpften Ressource gezogen wird.

Die vier Musiker hinter Horndal leben zwar in Stockholm, sind jedoch eng mit dem Schicksal der Stadt verbunden, und das wird im wuchtigen, bedrückenden Sound des Quartetts – Sludge, Death Metal und ein wenig Hardcore dazwischen – greifbar. Bereits das eröffnende „Rossen“ reißt sofort mit. Entfernt an die frühen Mastodon und Red Fang erinnernd, fallen Horndal mit der brachialen Tür ins Haus. Kehlige Vocals zwischen Growls und Shouts treffen auf infernale Riffs, die sogar etwas Slayer-Schlagseite aufweisen, sowie einen kaputten Mix aus Uptempo-Brutalität und genüsslicher Schwerfälligkeit. Das folgende „Horndal’s Blodbad“ nimmt hingegen das Tempo über weite Teile hernaus und legt brütende, erdrückende Schwere über das Geschehen. Seltene klare Momente machen die Dimensionen des Untergangs greifbar.

Mittlerweile hält es die Schweden nicht auf den Sitzen. „Growing Graves“ zieht wachen Auges einen permanenten Abgrund hinab und legt die endgültige Zerstörung mit manischer Energie nahe, die schließlich im peitschenden, krachenden „Town Burner“ ihre abgedrehte Formvollendung findet. Die Zweckehe aus US-Sludge-Wahnsinn und skandinavischer Death-Metal-Schule fördert mörderische Riffs und beißenden Stahl (welch Ironie!) zutage. Hingegen spielt „The Black Wheel“ mit Dauerdruck, majestätischer Erhabenheit und überdimensionalen Dreckschleudern, die sich in den kurzen Sprints, Blackened-Hardcore-Zuckungen und ernüchternden Instrumentals von „Ormön“ komplett auflösen.

„Lake Drinker“ hört sich wie fiktionalisierter True Crime, dessen bedrückende Realität für pure Gänsehaut sorgt. Horndal klingen in etwa so, als wäre Kvelertak der Lust aufs Feiern endgültig vergangen. Jede einzelne Note führt näher an den endgültigen Untergang heran, illustriert die sukzessive Manifestierung einer kapitalen Katastrophe in sämtlichen Details. Ohne den Hintergrund machen Horndal unheimlich Laune mit ihrem beißenden, transatlantischen Sludgecore-Ansatz, die wahren Gegebenheiten dazu erzeugen durchgehende kalte Schauer – wie ein Horrortraum, aus dem man nicht aufwachen kann. Und aus künstlerischer Sicht auch nicht will.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 09.04.2021
Erhältlich über: Prosthetic Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/horndalmusic

Slider-Pic (c) Daniel Liljas

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Category: Magazin, Reviews

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