Kind – Mental Nudge

| 9. September 2020 | 0 Comments
Kind

(c) Ripple Music

„Rocket Science“, das vor fünf Jahren erschienene Debütalbum von Kind, geht schon hetute gut und gerne als vergessene Stoner-Doom-Perle durch. Das Quartett um aktuelle und ehemalige Mitglieder von Black Pyramid, Roadsaw, Elder und Rozamov versteht es wunderbar, bleierne Schwere mit süsslicher Melodik zu kombinieren und dabei laufend neue Akzente zu setzen. Die Zeit seither verbrachten Kind mit ausgewählten Touren und ein paar Demo-Aufnahmen. Erst im Januar ging man ins Studio, um das zweite Album „Mental Nudge“ einzuspielen.

Unterschiedlicher und abwechslungsreicher könnten diese 44 Minuten kaum ausfallen, dafür steht bereits das eröffnende „Broken Tweaker“. Wie sich die intensiven, angenehm lauten Vocals aus dem dicken, leicht verzerrten Arrangement schälen, ist großes Kino. In aller Behäbigkeit entwickelt sich genüsslicher Stoner-Bombast mit geradezu meditativem Grundstock und herrlichen Variationen über der Sologitarre. Die gigantischen Harmonien in der zweiten Hälfte mit Grunge- und Alternative-Untertönen sind ein wahrer Ohrenschmaus. „Helms“ greift diesen Schlussakt auf und dreht die Regler noch höher. Indie-, College- und Noise-Rock-Qualitäten geben sich die Klinke in die Hand, eingängige Schwere tritt martialische Druckwellen los.

Davor lauert „Bad Friend“, ein echter Hieb in die Magengrube. Man hört den Übergang von Stoner zu Doom förmlich, pointierte Entschleunigung inklusive. Für Kind ist dieses Mammut ein Spiel mit der Dynamik, mit kleinen Tempovariationen und ungefilterter Wucht. Diese dicken Wände können gegen den Rausschmeißer „Trigger Happy“ jedoch nicht anstinken, denn hier serviert das Quartett pure Doom-Intensität in Zeitlupe. Verspielte Psych-Energie umweht den Track, der in der Mitte nur kurz für einen wütenden Soloteil durchstartet, aber sogleich in sich zusammensackt. Erinnerungen an bleierne Tombstones werden wach.

So recht wollen sich Kind nicht festlegen lassen, ob sie nun eher eine Stoner- oder eine Doom-Band sind. Warum auch, wenn alles auf einmal prima funktioniert? „Mental Nudge“ ist ein bekömmlicher Nackenschlag der intensiven Note, der stets mit packender Wucht zugreift. Es sind aber nicht nur die etatmäßigen, erwarteten Sounds, sondern die zahlreichen harmonischen Variationen zwischen Alternative, Psych, Grunge und Indie rundherum, welche den Kind-Zweitling gigantisch erscheinen lassen. Hoffnungen und Erwartungen mehr als erfüllt mit diesem Riff-Soundtrack zum Desert-Bleigießen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 11.09.2020
Erhältlich über: Ripple Music

Facebook: www.facebook.com/KINDtheband

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Category: Magazin, Reviews

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