Triptykon with the Metropole Orkest – Requiem (Live At Roadburn 2019)

| 15. Mai 2020 | 0 Comments
Triptykon

(c) Ester Segarra

1986 begann Tom Gabriel Fischer mit den Arbeiten an einem dreiteiligen Requiem, welches die experimentellere Ausrichtung von Celtic Frost unterstreichen sollte. Der erste Abschnitt erschien ein Jahr später auf „Into The Pandemonium“, kurze Zeit später zerfiel die Band. Nach der Wiedervereinigung landete das Finale auf dem Comeback-Werk „Monotheist“ – und die Band verschwand wieder, dieses Mal endgültig. 2018 schlug Roadburn-Gründer Walter Hoeijmakers eine Live-Performance dieses Epos vor – Stein des Anstoßes für den nun mehr Triptykon vorstehenden Mastermind, das Werk zu vollenden. Gemeinsam mit dem niederländischen Metropole Orkest wurde das avantgardistische Opus Magnus live aufgeführt, nun in Bild und Ton als „Requiem (Live At Roadburn 2019)“ zu haben.

Hier von einem Werk mit bewegter Geschichte zu sprechen, wäre also untertrieben. Die beiden ersten Abschnitte waren nie zuvor live gespielt worden, das gut halbstündige Herzstück wurde eigens geschrieben und Celtic Frost hatten sich zudem vor über einem Jahrzehnt aufgelöst. Seinem verstorbenen Mitstreiter Martin Eric Ain und dem künstlerischen Dauerbegleiter H.R. Giger gewidmet, stürzen sich Fischer und Band samt Orkester unter der Leitung des finnischen Dirigenten Jukka Isakkila auf diese Mammutaufgabe mit „Rex Irae“, so wie alles in den 80er Jahren anfing. „Rex Irae“ ist ohne Frage der härteste, wuchtigste Teil dieser Trilogie. Safa Heraghi begleitet das Geschehen stimmlich, sie ist vornehmlich neben Fischer zu hören, während das Orchester im Hintergrund gar martialisch mitsägt.

Und dann taucht dieses brandneue „Grave Eternal“ auf, über 32 Minuten in seiner Länge und ein avantgardistisches Ausrufezeichen, welches selbst vergleichbare Epen auf „Melana Chasmata“ in den Schatten stellt. Irgendwo zwischen Doom- und Drone-Schleifen, Soundtrack-Arbeit und Elegie tasten sich Band und Orchester voran, lassen zwischendurch viel Leerraum und basteln ein loses, wiederholt von beschwörenden Gesangspassagen und durchaus klassischen Gitarrensoli torpediertes Konstrukt. Gerade die letzten fünf bis sechs Minuten, wenn Cello und Chor aufbranden, haben es in sich. Das fragile „Winter“ beschließt das Geschehen mit ausgesuchter Vorsicht und symbolisiert genau das, was der Titel der Trilogie andeutet – es ist ein Requiem.

Und so vollendet „Requiem (Live At Roadburn 2019)“ einen 33jährigen Weg in einer aufwühlenden Dreiviertelstunde. Alleine die Veränderungen im Weltgeschehen zwischen 1986 und 2019 sind so gewaltig, dass die engmaschige Verwebung aller drei Abschnitte, aber vor allem der monströse, brandneue Mittelteil überraschen und beeindrucken. Tom Gabriel Fischer bringt das Kapitel Celtic Frost zu einem endgültigen Abschluss, treibt den wundervollen Wahnwitz von Triptykon voran und zollt seinen verstorbenen Freunden auf atemberaubende Weise Tribut.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 15.05.2020
Erhältlich über: Century Media (Sony Music)

Website: www.triptykon.net
Facebook: www.facebook.com/triptykonofficial

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Category: Magazin, Reviews

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