Shrapnel – Palace For The Insane

| 14. Mai 2020 | 0 Comments
Shrapnel

(c) Ester Segarra

Auf den Umbruch folgt der Leistungssprung: Vergangenes Jahr trennten sich Shrapnel von Jae Hadley, der den Posten am Mikrofon zuvor ein komplettes Jahrzehnt innehatte. Die Thrasher aus Norwich schlugen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, denn Neuzugang Aarran Jacky Tucker glänzt nicht nur durch stimmliche Vielfalt, sondern füllte zugleich den vakanten Posten am Tieftöner. Mit mehr Mut zu Experimenten, welche über klassische Thrash-Klänge hinausgehen, heben die Briten auf „Palace For The Insane“ endlich ab.

Das eröffnende „Might Of Cygnus“ zeigt sogleich, wohin die Reise geht. Nach einem ausgedehnten Intro mit klaren Gitarren und feinsinniger Melodie dauert es eineinhalb Minuten, bevor Shrapnel den Schalter umlegen und einen mehrköpfigen Thrash-Bastard vorlegen. Tucker spuckt die Vocals in den Strophen förmlich aus, nur um im Refrain mit Inbrunst zu singen. Erinnerungen an Chuck Billy werden wach, und die Band hält in diesem überaus abwechlungsreichen Epos mit. Fiese Sprints, ordentlich Midtempo-Grooves, mehr Melodie und feine Gitarrenarbeit verleihen dem Track ein klassisches und doch anspruchsvolles Antlitz.

Natürlich bleiben die obligatorischen Thrash-Wellenbrecher erhalten. „The Mace“ taucht tief in die wüste Bay Area ein, „Bury Me Alive“ spielt mit dezenten Crossover- und Kreator-Anleihen, während der Titelsong mit frontalem Biss ein wichtiges Statement zum Thema Mental Health liefert und im Vorbeigehen Aleister Crowley mitnimmt – Slayer lassen zumindest musikalisch grüßen. „Palace For The Insane“ ist aber auch eine Platte der mutigen Experimente. Dramatische Gesten und semi-balladeske Momente heben „Begin Again“ vom Rest der Platte ab, selbst ein paar klassische Metal-Momente sind zu vernehmen. Der dicke Groove von „Future Sight“ brennt sich ebenfals ein, von durchaus bewegenden Breaks durchzogen. Das martialische und dennoch eingängige „Salt The Earth“ spielt ganz vorne mit.

Auf „Palace For The Insane“ wachsen Shrapnel erstmals über sich hinaus. Ihre urtypische Thrash-DNA bleibt erhalten, dafür ist man musikalisch nun deutlich breiter, vielschichtiger aufgestellt. Neuzugang Aarran Jacky Tucker war dafür sicher mitverantwortlich, eröffnete neue stimmliche Möglichkeiten und ließ die Briten mit mehr Melodie, Epos und Dynamik experimentieren. Und genau diese generalüberholte Herangehensweise geht nun auf. Wo Shrapnel draufsteht, steckt Thrash drinnen – das gilt mit diesem Album mehr denn je.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 15.05.2020
Erhältlich über: Candlelight Records / Spinefarm Records

Facebook: www.facebook.com/ShrapnelOfficial

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Category: Magazin, Reviews

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