Kreator – Phantom Antichrist

| 31. Mai 2012 | 0 Comments

Kreator

So stark sich Sodom und Destruction zuletzt auch präsentiert haben, Kreator sind mittlerweile (ob wieder oder nicht, darüber lässt sich vortrefflich streiten) Deutschlands unangefochtene Thrash-Könige. Die Krise um den Jahrtausendwechsel gehört längst der Vergangenheit an, die letzten drei Alben „Violent Evolution“, „Enemy Of God“ und vor allem „Hordes Of Chaos“ sind bereits so etwas wie moderne Genre-Klassiker. Entsprechend hoch liegt die Messlate für „Phantom Antichrist“, das 13. Album der Altessener, für das sich Frontmann Mille Petrozza zu der vollmundigen Ankündigung hinreißen ließ, es würde sämtliche Releases der ‚Big Four‘ der letzten Jahre locker wegblasen.

Ob diese selbstbewusste Ansage zutrifft oder nicht, ist freilich Geschmackssache. Dass die neue Kreator-Platte zumindest in einer Gewichtsklasse mit den aktuelleren Releases der erwähnten Thrash-Legenden spielt, deutet der Titeltrack „Phantom Antichrist“ nach einem kurzen Intro bereits an. Eine angezogene Handbremse kennen Mille und Konsorten nicht, treten das Gaspedal vollends durch, sorgen dafür, dass sich ein Hauch von Melodie in den zweiteiligen Refrain einschleicht, und schicken ein mörderisches Solo hinterher. „Civilisation Collapse“ und „Victory Will Come“ spielen in einer ähnlichen Gewichtsklasse, paaren Highspeed-Thrash mit feiner Gitarrenarbeit und dezent eingesetzten, eingängigen Versatzstücken.

Auf Nummer Sicher geht man bei den Altessener freilich nicht, sondern bietet eine Art Schwank durch die jüngeren Alben. So entpuppt sich „From Flood Into Fire“ als – je nach Gusto – Midtempo-Hymne oder Thrash-Ballade, als dynamische Meisterleistung mit einem unverschämt eingängigen Refrain und positiver Message. „Your Heaven, My Hell“ wagt sich noch ein wenig weiter hinaus, arbeitet in den Strophen mit klaren Vocals und Melancholie, dezentem Dark- bzw. Gothic-Metal-Touch, bevor die Thrash-Rakete abhebt, groovelastig wie martialisch. Wer das zu experimentell findet, kann stattdessen „Death To The World“ genießen, eine fünfminütige Melange aus klassischen Kreator-Riffs und „Hordes Of Chaos“-Melodien.

Wie schon auf den Vorgängern stimmt das Gesamtpaket. Abermals begeistert die druckvolle Produktion – Schlagzeug und Bass wurde in den Fascination Street Studios unter der Regie von Jens Bogren (Opeth, Katatonia, Amon Amarth) live eingespielt, Gitarren und Vocals extra veredelt – abermals stimmt das Songwriting. „Phantom Antichrist“ bietet klassische, rasante Kreator-Riffs nebst hymnischer Erhabenheit und packenden Melodien, variiert das Tempo und wagt sogar kleinere Experimente. Kurzum: der nächste fette Nackenschlag der Altessener; eine echte Dampframme, ein weiterer (potentieller) moderner Thrash-Klassiker.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 01.06.2012
Erhätlich über: Nuclear Blast (Warner Music)

Website: www.kreator-terrorzone.de
Facebook: www.facebook.com/KreatorOfficial

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Category: Magazin, Reviews

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