Opium Lord – Vore

| 7. Oktober 2019 | 0 Comments
Opium Lord

(c) Sludgelord Records

Die letzten Jahre waren alles andere als begeisternd für Opium Lord. Man steckte in einem Label-Deal fest, der einiges an Frust mit sich brachte, entsprechend gab es nach dem Debütalbum (Mai 2015) nur eine kleine Split-Aufnahme. Die Herren aus der Metal-Heimat Birmingham standen kurz vor der Auflösung, konnten sich dennoch rauswursteln und wagen mit Sludgelord Records nun einen Neustart. Hier zeigt der Zweitling „Vore“ Bewährtes und Wuchtiges.

Ihr Sound wirkt vielleicht noch eine Spur wuchtiger und stürzt sich tiefer denn je in finster schillernde Sludge-Gefilde. Die angenehm wirren Math-Anteile des Debüts rücken allerdings vermehrt in den Hintergrund. Sie schimmern im Opener „WWCD“, eine Art XXL-Intro, noch dezent durch, bleiben in weiterer Folge jedoch eine Randnotiz. Das stört nicht weiter, denn auch so landen Opium Lord mehrere Volltreffer. „Lead Magnet“ baut Spannung auf, setzt fiese Energie frei und befeuert die aggressive Atmosphäre mit doomig-groovenden Zwischenspielen, die im besten Sinne verwirren und verstören.

„Columbia“ etabliert sich als weiteres Highlight. Hier ist tatsächlich Mike Scheidt von YOB zu hören. Er entdeckte Opium Lord auf Tour für sich und wollte sofort mit den Briten arbeiten. Das Ergebnis zeigt sich über weite Teile deutlich doomiger und finsterer als der Rest der Platte. Atmosphärische Aufbauten scheinen den Track zunächst in die Länge zu ziehen, die beiden martialischen Explosionen reißen dafür von den Sitzen. Ähnliche Intensität erreicht nur „Sherwood Is Connector“, wenn wütender Sludge-Druck auf beinahe Djent-artige Gitarren trifft und einen angenehm kranken Gummitwist heraufbeschwört.

Einmal mehr fühlen sich Opium Lord zwischen den Sitzen am wohlsten. „Vore“ erfordert viel Geduld – passend zur langen Entstehungsgeschicht – entlohnt dafür fürstlich mit emotionaler Brachialgewalt, furiosem Dauerdruck und kompletter Versandung in seelischer Finsternis. Geschickt speien die Briten Gift und Galle, entlocken dem längst noch nicht ausgereizten Sludge-Genre neue Facetten und treffen selbst mit verfeinerter Ausrichtung ins blutende Herz der fortschreitenden gesellschaftlichen Verrohung.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 11.10.2019
Erhältlich über: Sludgelord Records

Facebook: www.facebook.com/opiumlord

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Category: Magazin, Reviews

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