Astrosaur – Obscuroscope

| 25. September 2019 | 0 Comments
Astrosaur

(c) Wanda Nordstrøm

Studierte Musiker findet man im weiten Rock- und Metal-Feld relativ selten. Oft geht es um Bauchgefühl, um kreative Freiheit und betont eigensinnige Improvisationen – Gefilde, in denen akademische Ansätze wie ein Fremdkörper wirken. Astrosaur treten den Gegenbeweis an. Das norwegische Trio um Eirik Kråkenes, der unter anderem als Session-Musiker für Ihsahn und Tourpartner Leprous tätig war, verschreibt sich instrumentalem Post Metal mit Jazz-, Prog- und Space-Untertönen. Ihr zweites Album „Obscuroscope“ legt ungeahnte musikalische Möglichkeiten frei.

Die sympathische Scharfzüngigkeit von „Karakoram II“ fasst die musikalische Vielfalt der Musiker aus Oslo hervorragend zusammen. In verhältnismäßig kurzen acht Minuten treten sie gleich mehrere Stoßwellen los und lassen den Track rund um druckvolle Gitarren gekonnt anschwellen. Zwischen wilden Soli, die vor allem der spielfreudigen Rhythmusabteilung zugutekommen, gekonnten Zäsuren und wütend-metallischen Hackbrett-Imitationen ergibt sich eine kurzweilige Mischung aus peitschenden Störsignalen und sympathischer Virtuosität, welche die Post-Metal-Grenzen dezent verschiebt.

Gerade dieses Dezente ist die Superkraft von Astrosaur, auch wenn das konstant mit Heavyness flirtende „Supervoid“ beispielsweise mit einem schwarzmetallischen Auszucker überrascht. Ein Stück wie „Homewards“ dürfte sogar noch eine Spur typischer sein, denn der ellenlange, ausladende wie ausdauernde Aufbau spielt gekonnt mit Erwartungen, macht die Bühne frei für kurze Eruptionen und spielt dennoch gekonnt mit leichtfüßiger Space-Rock-Statik. Das spielfreudige „White Stone“ lässt hingegen verschiedene Prog- und Jazz-Fäden zusammenlaufen. Klar, hier kommt das studierte Muckertum deutlich durch, weiß aber zu unterhalten.

Selbst für post-metallische Verhältnisse wagen sich Astrosaur sehr weit hinaus, das sollte aber auch kaum überraschen. Mit dem vogelwilden Ansatz, viel Musiklehre und ordentlich Freiraum trotz geschickt strukturierter Töne ergibt sich eine hochspannende Platte zwischen den Welten, die ob ihrer theoretischen Basis unerwartet unberechenbar anmutet. „Obscuroscope“ kreuzt Feinsinn mit grober Wucht und Post-Herzblut. Das darf, nein, muss man für exzellent befinden.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 27.09.2019
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Website: www.astrosaur.no
Facebook: www.facebook.com/astrosaur

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Category: Magazin, Reviews

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