Ihsahn – Arktis

| 6. April 2016 | 0 Comments
Ihsahn

(c) Spinefarm Records

Während die kurze aber intensive Emperor-Live-Reunion schon wieder vorbei ist, widmet sich Ihsahn neuen Solo-Großtaten. „Das Seelenbrechen“, Ende 2013 erschienen, war sein bis dato kompliziertetes Werk mit überraschendem Electro- und Dark-Wave-Einsatz. Eine komplette Trendwende gibt es nun zwar nicht, wohl aber deutlich differenziertes Auftreten. Auf „Arktis“ zieht der Norweger alle Register seiner illustren Solokarriere und wird von einer prominenten Armada an Gästen unterstützt.

Mit dabei sind: Einar Solberg (Leprous), Matt Heafy (Trivium), Jørgen Munkeby (Shining NO), Tobias Ørnes Andersen (Shining NO, ex-Leprous) und der norwegischen Author Hans Herbjornsrud – eine Gästeliste, die sich absolut sehen lassen kann. Gemeinsam geht es gegen alle Gewohnheiten, was im Endeffekt vertrautes Terrain sein dürfte. Zunächst sind da natürlich die offenkundigen Hits: „Mass Darkness“ ist eine bockstarke Extreme-Metal-Hymne mit bissigen Melodien, das folgende „My Heart Is Of The North“ eine herrliche Mischung aus kaputter Experimentalität und beinahe Pagan-artigem Mammut. Die ausgeflippte Hammond-Orgel passt auf perverse Weise ins Bild.

Spätestens danach scheiden sich die Geister, denn „South Winds“ kombiniert Industrial-Riffs mit elektronischem Minimalismus, Coldwave-Habitus und fiesem Gekeife – gemeinsam mit dem ähnlich synthetisch stampfenden „Frail“ und dem verqueren Jazz-Metal-Höllenritt „Crooked Red Line“ sicherlich jene Songs, die viel Zeit und Geduld brauchen. Wer es lieber klassischer mag, zieht sich den gefühlvollen, schweren Midtempo-Track „In The Vaults“ oder die Post-Prog-Mammut-Hymne „Celestial Violence“ rein.

Ihsahns sechtes Soloalbum verlangt Geduld und Mut zur Überwindung von Grenzen. „Arktis“ bezieht sich auf die kühle Experimentalität von „Das Seelenbrechen“ und den jazzig-epischen Mix von „Eremita“. Irgendwo in der Mitte kollidieren zwei unterschiedliche Welten, die nicht immer auf- und zueinander passen wollen – siehe und höre die komplizierten Jazz- bzw. Industrial-Ausflüge, die zwar ihren Reiz haben, aber ordentlich Geduld abverlangen. Dennoch, genau in diesem Kampf um Form und Genialität liegt das, was diesen begnadeten Ausnahmemusiker ausmacht. Auch wenn „Arktis“ kein weiteres Überalbum geworden ist, so macht die Mischung doch verdammt viel Laune und ermutigt dazu, die eigenen Hörgewohnheiten herauszufordern.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 08.04.2016
Erhältlich über: Spinefarm Records / Caroline (Universal Music)

Website: www.ihsahn.com
Facebook: www.facebook.com/ihsahnmusic

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Category: Magazin, Reviews

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