Immortal Bird – Thrive On Neglect

| 5. Juli 2019 | 0 Comments
Immortal Bird

(c) 20 Buck Spin

Aus den Untiefen des metallischen Undergrounds Chicagos schwimmen Immortal Bird gen Oberfläche. Das Quartett packt so ziemlich alles, was im Extreme Metal angesagt ist, in den Mixer. US Black Metal, Sludge, Crustcore, Death Metal, ein wenig Thrash und noisiger Hardcore geben sich die Klinke in die Hand. Während ihr starkes Debüt „Empress/Abscess“ vor vier Jahren etwas unterging, klingt „Thrive On Neglect“ nun nach dem großen Wurf.

Ein bisschen Revocation hier, viel The Black Dahlia Murder da, dazu ein wenig Mayhem und Livid zum Drüberstreuen – gute Nerven und Ausdauer sind Pflicht für diesen Zweitling. „Vestigial Warnings“ bringt den Wahnsinn der US-Amerikaner auf den Punkt. Von Anfang an regiert wütendes, furioses Chaos. Manische Gitarrenspitzen experimentieren ein wenig mit proggigeren Sounds, die Basis ist jedoch fies, knorrig und brachial. Rae Amitays Growls und Screams fahren durch Mark und Bein, das Tempo geht schrittweise nach oben, die große Eskalation naht mit Riesenschritten. Mehrere kurze Zäsuren, darunter ein komplettes Breakdown nach vier Minuten, das gen Sludgecore führt, steuern konzentriert gegen den Anfang.

Wohin es geht, weiß man meist erst, wenn der Song vorbei ist. Lineares Songwriting scheint für Immortal Bird ein Unding zu sein, und gerade das macht ihre Musik so spannend. Wie sich „Stumbling Toward Catharsis“ im Zeitlupentempo entlädt und manische Blackened-Death-Grooves mit nervenzehrenden Gitarren vermengt, wie „House Of Anhedonia“ Math-artige Tempo-Verschiebungen einbaut und für heftiges Zucken sorgt, nur um zum Schluss erneut kaputte Breakdowns einzuflechten – großartig. In „Quisquilian Company“ regiert hingegen über weite Strecke die alte Schule mit klaustrophoben Melodien, von pointierten Wutausbrüchen gekonnt in Szene gesetzt.

Stolze 37 Minuten stellen Immortal Bird Hörgewohnheiten auf die Probe und machen damit alles richtig. „Thrive On Neglect“ ist von vorne bis hinten ein kreativer Siegeszug mit durchaus vertrauten, allerdings sympathisch andersartig inszenierten Sounds. Das Chicagoer Quartett bäumt sich bedrohlich auf und rattert im Eilzugtempo durch Zeit und Raum, zumindest bis der nächste Breakdown folgt. Höchst anspruchsvoll und durchaus musikalisch – eine unerwartete Offenbarung, die mit Sicherheit ein größeres Publikum verdient hätte.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 05.07.2019
Erhältlich über: 20 Buck Spin (Soulfood Music)

Facebook: www.facebook.com/immortalbirdband

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Category: Magazin, Reviews

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