Irata – Tower

| 22. Mai 2019 | 0 Comments
Irata

(c) Small Stone Records

Von ihren Anfängen als Sludge- und Math-Metal-Band blieb herzlich wenig über, jetzt widmen sich Irata süßlicher Heavyness mit Rock- und Stoner-Einschlag. Das Quartett aus Grensboro, North Carolina liebt bärbeißige Riffs, schwere Grooves, angeproggte Süße und weit offene Klangflächen mit herzhaften Grüßen an Mastodon und Kylesa. Auf ihrem dritten Album „Tower“ zeigen sich die US-Amerikaner so eingängig wie noch nie, ohne dabei jedoch ihre anspruchsvolle Vertracktheit einzubüßen.

Die Band als reine Kopie der eingangs erwähnten Acts abzutun, wäre jedoch fatal, denn hier steckt angenehm viel Individualismus, Schweiß und Einsatz hinter der Musik. „Tower“ führt als Opener noch auf die falsche Fährte – kurz, druckvoll, riffgesteuert und sogar mit dezenter Sludge-Heavyness ausgestattet, ohne sich jedoch vollends der bleiernen Schwere hinzugeben. Wie offen der Sound des Quartetts eigentlich ist, stellt „Leviathan“ unter Beweis. Ausladende Klangflächen, dezent proggige Saitenhexerei und viel Muße zwischen den Noten kokettieren in gewissen Momenten sogar mit Tool, und doch klingt das Ergebnis ganz anders.

Überhaupt bemühen sich Irata um musikalische Breite und lassen sich nicht auf den einen, alles umarmenden Sound festlegen. Ein „Golden Tongue“ erinnert beispielsweise an etwas ruhigere Torche, während „Waking Eye“ mit Uptempo-Attacken und Desert-Riffing kokettiert. Selbst die Math-Anfänge schimmern gelegentlich etwas durch, zumindest bis „Innocent Murmur“ Prog-Schönklang mit Fuzz und Psychedelic kreuzt. Wieder eine Tür weiter mischt „Constellations“ alles zusammen. Post-metallische Zwischenspiele, wüstes Noise-Finale und bleierne Idylle gehen Hand in Hand.

„Tower“ frohlockt in knapp 40 Minuten durch gleich mehrere Genres und Äras, versperrt sich jeglicher Kategorisierung und weckt dennoch vertraute Erinnerungen an große Sludge-, Stoner- und Heavy-Prog-Bands. Was Irata machen, hat Hand und Fuß, ist aber alles andere als leichte Kost. Selbst hinter melodischen, eingängigen Momenten lauern Stahlkanten, die nächste überraschende Wendung, das nächste nachdenkliche Zwischenspiel ist nie weit. Ein paar Durchläufe hat sich diese Platte verdient, dann öffnet sie sich mehr und mehr; ein kleines Wunderwerk, komplex und doch so bekömmlich.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 24.05.2019
Erhältlich über: Small Stone Records (Download-Album)

Website: www.iratalive.com
Facebook: www.facebook.com/iratabandofficial

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Category: Magazin, Reviews

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