The Intersphere – The Grand Delusion

| 30. November 2018 | 0 Comments
The Intersphere

(c) Thorsten Dirr

Nach einer beinahe unheimlich anmutenden Welle des Erfolgs, welche The Intersphere erstmals in der Bandgeschichte in die deutschen Top 30 sowie auf gemeinsame Tourneen mit Dredg und Karnivool bugsierte, war erst einmal Schluss. Es musste sich etwas ändern, alte Konzepte wurden über den Haufen geworfen. Nun folgt die musikalische Öffnung, denn „The Grand Delusion“ drängt in allerlei Richtungen und erweitert den musikalischen Horizont des Quartetts beträchtlich.

Dieses gezielte Ausufern treibt mitunter kuriose Blüten. Im Titelsong „The Grand Delusion“ ertönen urplötzlich knüppelharte, metallische Riffs, die nur unweit von diversen Math- und Core-Giganten entfernt sind. Klar, der Gesang bleibt melodisch und eingängig wie eh und je, und doch funktioniert das deutlich forschere Auftreten prima. Kurze Zeit später setzt Neuzugang Daniel Weber Synth-Bässe in „Linger“ ein. Der reduzierte, still wabernde und gekonnt nachhallende Song wird seinem Namen gerecht, nimmt semi-balladeske Züge an und strahlt unheimliche Kraft an – zwei spannende, komplett konträre und doch richtig gute Experimente.

Rundherum setzt es natürlich vertraute und doch hochspannende Kost. Der Opener „Think Twice“ widmet sich hymnischen, kraftvollen Sounds mit einem eingängigen Refrain, danach lässt „Mind Over Matter“ kurzzeitig die Muskeln spielen und taucht tief in die Neo-Prog-Schule ein, schreckt aber ebenso wenig vor Dissonanzen zurück. Etwas ausufernder und klassisch progressiver wird es in „Shipwreck“, wobei der Drumbeat dem Arrangement verhalten zu widersprechen scheint – ein hochspannender Kontrast. Weitere Hits, wie das sympathische „Secret Place“ samt gelegentlichem Wechsel ins Falsett oder das breitbeinige „Overflow“, brennen sich ebenfalls ein.

Die Ausnahmeklasse eines „Hold On, Liberty!“ erreichen sie zwar nicht so ganz, und doch funktioniert dieses erneute Durchstarten ganz prima. The Intersphere setzen – natürlich – auf Vertrautes, allerdings mit cleveren Experimenten und mehr Selbstbewusstsein angereichert. Entsprechend bunt schimmert diese Platte, drängt in sämtliche Himmelsrichtungen und zeugt zugleich von einem neuen Händchen für Eingängigkeit. „The Grand Delusion“ zeigt eine Band, die sich auf überaus hohem Niveau konsolidiert und weiterhin geradezu überschäumt vor Kreativität.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 30.11.2018
Erhältlich über: Long Branch Records (SPV)

Website: www.theintersphere.com
Facebook: www.facebook.com/theintersphere

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Category: Magazin, Reviews

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