22 – You Are Creating: Limb1

| 21. März 2017 | 0 Comments
22

(c) Ida Vie

Zeit wird überbewertet, und so lassen sich die Norweger 22 nicht hetzen, wenn es um neue Musik geht. Ihr kunstvoller Prog-Sound erinnert schon mal an Dredg, Muse und sogar Queen, das Konzept dahinter ist jedoch etwas anders. Bei „You Are Creating: Limb1“, so der Titel des ersten Teils ihrer Konzeptreihe, ist der Name Programm. Das Quartett stellt einzig die Werkzeuge – Rhythmus, Melodie und Gesang – bereit und geht davon aus, dass die Musik an sich erst im Ohr des Hörers entsteht. Künstler und Rezipient werden somit zu Co-Autoren.

Was sich ziemlich abstrakt liest, wirkt auch auf Platte gewöhnungsbedürftig, weil sich 22 zu keiner Zeit auf einen bestimmten Sound festnageln lassen wollen. Mehr noch, im titelgebenden „You Are Creating“ singen sie sogar vom Konzept dieser Albumreihe. „It can be anything you want it to be“ – herzlich willkommen auf der Meta-Ebene. Musikalisch kollidiert die alte Prog-Schule mit jüngeren Klängen, gespickt durch kunstvollen Art-Rock und stetes Ausbrechen aus jeglichen Schemata, sofern denn solche zu erkennen sind.

Beispiel gefällig? Der Opener „Inspec“ plätschert zunächst belanglos vor sich hin, legt schließlich einen eingängigen Uptempo-Math-Sprint hin und packt zum Schluss Dissonanzen satt aus. Im Hit „Sum Of Parts“ treffen Queen auf Panic! At The Disco und bemühen sich um Performance-Art – kompliziert aber lohnenswert. Während das balladeske „Ectypes“ blass bleibt, bemühen sich 22 rundherum um Überraschungen am laufenden Band. Ein „A Mutation Of Thrushes“ spannt beispielsweise den Bogen von Radiohead über „Bohemian Rhapsody“ bis zu Crossover und noisigem Stoner Rock.

Verwirrt? Das lässt sich bei „You Are Creating: Limb1“ kaum vermeiden. Wilde Tempo- und Stilwechsel, fragile Balladen, wüste Noise-Attacken, Prog-Bombast und Musical-hafter Gesang verlangen alles ab, und doch hat dieses zweite, leider viel zu kurze Album von 22 unheimlich viel zu bieten. Ob künsterlisch wertvoller Artist-Rezipienten-Diskurs oder nicht, durchaus geniale Kompositionen, überschäumende Kreativität und packendes Songwriting begeistern und lassen auf eine Fortsetzung hoffen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 24.03.2017
Erhältlich über: Indie Recordings (Soulfood Music)

Website: www.22.no
Facebook: www.facebook.com/22newenergymusic

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Category: Magazin, Reviews

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