Devin Townsend Project – Transcendence

| 7. September 2016 | 0 Comments
Devin Townsend Project

(c) Rebecca Blissett

Eigentlich war das Devin Townsend Project von seinem Erschaffer und Mastermind bereits mehr oder minder zu Grabe getragen worden. Der Ziltoid-Nachschlag kam gut, Townsend selbst war außerdem mit Casualties Of Cool und seiner eigenen Symphonie bestens ausgelastet. Erstmals in seiner Karriere gab er Verantwortung ab und ließ sich bei „Transcendence“ von seiner Band unterstützten. Ob dies nun der Schwanengesang für DTP ist, muss sich zeigen. Es wäre ein standesgemäßes Finale.

Natürlich setzt es auch dieses Mal Qualität mit Quantität: Knapp 65 Minuten Spielzeit sind eine ganze Menge Holz, doch wenn einer das hohe Niveau über einen so langen Zeitraum halten kann, dann Townsend. Die Songs strahlen und funkeln natürlich wieder in mannigfaltigem Licht, unterstützt durch unzählbare Spuren, epische Melodiebögen, drei weibliche Gaststimmen (u.a. Anneke von Giersbergen) und einen kleinen Chor. Bereits der mächtige Opener „Truth“ wird zum Erlebnis, hat etwas von Space Opera, eierlegender Wollmilchsau und zig weiteren Wahnsinnstaten. Natürlich hebt der Kanadier komplett ab und wirkt mit den sakralen Passagen fast schon zu schräg, die intensive und wuchtige zweite Hälfte macht aber richtig Laune.

Der Titelsong „Transcendence“ ist noch eine Spur abgehobener und legt gefühlte hundert Spuren übereinander. Das grenzt stellenweise an Überladung, doch die feinen Melodien und clever arrangierten Spannungsbögen lassen keinen Zweifel über die Qualität dieses Exkurses aufkommen. Freilich, das gleichermaßen brutale, schnelle und cheesy arrangierte „Offer Your Light“ zwischen Metal-Radio und Prog-Pomp ist Geschmackssache, wohl aber richtig gut. Zwischen dem monströsen, stellenweise brachialen „Higher“, dem vorwitzigen Ween-Cover „Transdermal Celebration“ und dem von symphonisch-kompositorischem Grandeur geprägten „Stormbending“ ist für spektakuläre Momente en masse gesorgt.

Manchmal, ja, manchmal steht sich das Devin Townsend Project etwas im Weg, überlädt die Songs bis zur Unkenntlichkeit, schwelgt in symphonischen bis balladesken Momenten und überzieht extreme Momente mit Zuckerguss. Das macht den Charme das Kanadiers aus, kann das Nervenkostüm aber schon mal strapazieren. Dennoch, hinter all diesen Spuren und Schichten liegen clevere, abwechslungsreiche und aufregende Songs, die das DTP-Schaffen Revue passieren lassen und gleichzeitig einen Ausblick in eine mögliche Zukunft geben. Ob es diese, unter dem Project-Banner, geben wird, ist fraglich. Townsend selbst wird aber auch so zu überraschen wissen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 09.09.2016
Erhältlich über: InsideOut Music (Sony Music)

Website: www.devintownsend.com
Facebook: www.facebook.com/dvntownsend

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Category: Magazin, Reviews

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