Wild Throne – Harvest Of Darkness

| 5. September 2016 | 0 Comments
Wild Throne

(c) Mike Azria

Drei eierlegende Wollmilchsäue aus dem frostigen Nordwesten der USA schicken sich an, die Jahrespolls 2016 zu erobern – mit einem Album, das bereits 2015 erschien. Mit dem Sprung über den großen Teich hat es für die sympathischen, bescheidenen Wild Throne ein wenig gedauert. Von diesen zurückhaltenden Qualitäten hört man auf Platte übrigens nicht, denn „Harvest Of Darkness“ ist ein besonders wildes, komplexes und ausladendes Biest geworden. Prog, Math, Psych, Hard Rock, ja sogar metallische Wucht geben sich auf diesem Debütalbum die Klinke in die Hand.

Wo soll man bei diesen wahnwitzigen 55 Minuten, in denen kein Song wie der Nächste klingt, bloß anfangen? Der eröffnende Titeltrack, der nach einem kurzen Intro eine Mischung aus The Mars Volta, At The Drive-In und The Fall Of Troy – drei Referenzbands auf Albumlänge – aus den Boxen jagt, ist vielleicht ein guter Anhaltspunkt. Wilde, wütende Gitarren flirren aus den Boxen, getragen von hellem Gesang und Screams, mehrfachen Zusammenbrüchen, wechselnden Tempi, brutalen Effekten, nachdenklichen Passagen, einem Hauch von Ambient und schließlich Schweinerock Marke Kvelertak. Geht’s noch?

Wer sich bereits zu diesem frühen Zeitpunkt überfordert fühlt, sollte sich schleunigst vom Tatort entfernen, denn es wird nur noch wilder: der Sirenen-Auftakt des Progcore-Monstrums „Shadow Deserts“, das süffige und doch mächtige „War Is A Romance“ mit einer Hommage an die frühen Muse, das komplett kaputte Finale „Trans“, das von dicken und doch kaputten Gitarren durchzogene „Blood Maker“ – wie soll man da bloß mithalten? Vielleicht noch schnell „Fear Yourself“ angetestet, das psychedelisch angehauchten Prog mit einem dicken Querverweis auf Arena-Rock und den Schlussteil von „November Rain“ vermengt.

Nach dieser Tour de Force darf man schon mal sprachlos sein. „Harvest Of Darkness“ ist ein komplexes, anfangs unnahbares Biest, dessen Langzeitwirkung und Treffsicherheit bei allen Wirren beeindruckt. Kein nennenswertes Füllmaterial, überwiegend Killer, stete Neuentdeckungen auch beim zwanzigsten Durchlauf und unwahrscheinlich viele Details für Kopfhörer-Rezeption regen zu verdienten Begeisterungsstürmen an. Eines der besten Debütalben 2016 erschien bereits im vergangenen Jahr – egal, Hauptsache es knallt.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 09.09.2016
Erhältlich über: Roadrunner Records (Warner Music)

Website: www.wildthrone.com
Facebook: www.facebook.com/wildthrone

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Category: Magazin, Reviews

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