Tombstoned – II

| 18. April 2016 | 0 Comments
Tombstoned

(c) Svart Records

War das Debütalbum über weite Strecken eine attraktive Verwaltung des Sabbath’schen Doom-Erbes, so wollen Tombstoned nun mehr. Mittlerweile lebt das Trio über mehrere Länder verteilt, was den kreativen Prozess etwas veränderte. Anstelle von langen Jams rücken nun kompakte, in sich abgeschlossene Tracks, die sich zwar weiterhin im vertrauten Stoner-Doom-Duktus bewegen, gleichzeitig aber auch über diese imaginäre Barriere hinweglinsen, in den Mittelpunkt. Entsprechend spannend gestaltet sich „II“.

Den vielleicht besten Eindruck des verfeinerten Tombstoned-Sounds bietet das stilvoll zur Album-Mitte platzierte „And I Told You So“. Furztrockene Gitarren, gemächlicher Midtempo-Rhythmus, beinahe maschinelles Auftreten treffen auf heulend-jammernde Vocals mit zittrigem Unterton, die aus dem Post-Punk-Sektor stammen. Dazu passt auch das musikalische Auftreten über weite Passagen, wobei keineswegs auf klassischen Doom-Sound vergessen wird. Nach knapp fünf Minuten legen Tombstoned plötzlich den Schalter um und rauschen in Höchstgeschwindigkeit vorbei mit typischen Black-Metal-Blasts, bevor ein kleines Gitarrensolo zurück auf den Boden der Tatsache holt.

Berechnende Unberechenbarkeit zieht sich wie ein roter Faden durch diese Platte. Grabesstimmung und eisige Melodien begleiten das schneidende „You Can Always Close Your Eyes“, das sich im Schlussakt sogar Richtung klassische Doom-Orgel aufschwingt. Wer sich den Sound des Debüts zurückwünscht, wird am ehesten in „Pretending To Live“ fündig, das vom überraschend psychedelischen, versteinerten „Brainwashed Since Birth“ abgerundet wird.

Kurz und knapp: Tombstoned haben einen eigenen Sound gefunden, der wie Schockwellen durch Mark und Bein fährt. Geschickt baut „II“ auf orthodoxen Stoner-Doom-Klängen auf, mischt maschinelle Finsternis, einen Hauch Post Punk und mehr stoische Geradlinigkeit hinzu. Das Ergebnis fällt songdienlicher und atmosphärischer dichter aus, zumal die zu Albumbeginn eingestreuten Querverweise auf den Vorgänger die musikalische Entwicklung nachvollziehbar machen. So schön kann konzentrierte Selbstzerfleischung sein.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 22.04.2016
Erhältlich über: Svart Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/tombstonedhelsinki

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Category: Magazin, Reviews

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