Hypno5e – Shores Of The Abstract Line

| 17. Februar 2016 | 0 Comments
Hypno5e

(c) Pelagic Records

Metal als Kinobesuch, bei Hypno5e hat das längst Methode. Die Franzosen spielen laut eigener Auskunft „cinematic metal“ und funktionieren Prog-Klänge aller Art auf Leinwandtauglichkeit um. „Shores Of The Abstract Line“, ihr mittlerweile drittes Studioalbum, entpuppt sich als Reise durch Abgründe der menschlichen Psyche zwischen Verlangen und Verdrängen. Abermals kollidieren alte und neue Schule, knüppelhart und verspielt, mit Soundtrack-Qualitäten auf Überlänge.

Dieses Konzept, so kreativ und angenehm anders es auch sein mag, birgt gewisse Gefahren in sich. Viele Zwischenspiele, Spoken-Word-Parts und abrupte Szenenwechsel stellen nicht selten vor kaum überwindbare Hürden. Wie lohnenswert und doch schwierig sich „Shores Of The Abstract Line“ gestaltet, zeigt sich bereits in der Frühphase durch „II. East Shore – In Our Deaf Lands“, erster von drei Giganten mit über zehn Minuten Spielzeit. Hypno5e legen furios los, erinnern in Brutalität und feiner Klinge an Between The Buried And Me, packen Death Metal-Energie und angedeutete Djent-Untertöne ein.

Dann, ganz plötzlich, sackt das Konstrukt für das erste von x Breaks in sich zusammen. Semi-balladeske Abschnitte erinnern an Prog-Balladen die 70er, wechseln sich mit bereits vertrauter Brachialgewalt ab und werden von Spoken-Word-Samples durchzogen. Gerade der Mittelteil zieht sich minutenlang in eben jener Belanglosigkeit, bevor fürs Finale noch einmal das Gaspedal durchgetreten wird.

Gewissermaßen verwirrt das dritte Hypno5e-Album, und zwar nicht zu knapp. Während sich das semi-folkige, von abstrakter Naturmagie durchzogene Herzstück „V. Central Shore – Tio“ komplett vom bisher Gehörten abhebt und negativ aus dem Rahmen fällt, machen andere Songs wiederum Boden gut, darunter das furiose „Sea Made Of Crosses“. Moderne, ungezügelte Zao-Energie trifft auf die kompositorische Cleverness von Cynic für sechs spektakuläre Minuten, die für sich alleine den Kauf dieser Platte rechtfertigen.

Solche Momente bleiben jedoch die Ausnahme; nicht etwa, weil „Shores Of The Abstract Line“ schlecht wäre, sondern weil Ambitionen und Umsetzung viel zu selten übereinstimmen. Gerade die monströsen Tracks jenseits der Zehn-Minuten-Marke vermischen geniale Momente voller Esprit und ungezügelter Kreativität mit belanglosen, schmalbrüstigen Durststrecken. Ihre großen Ideen können Hypno5e dieses Mal nicht ganz so begeisternd umsetzen wie noch auf „Acid Mist Tomorrow“. Gescheitert sind die Franzosen aber noch lange nicht, denn dafür finden sich viel zu viele grandiose Momente auf diesen knapp 62 Minuten.

Wertung: 7/10

Erhältlich ab: 19.02.2016
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Website: www.hypno5e.com
Facebook: www.facebook.com/Hypno5e

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Category: Magazin, Reviews

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