Seer – Vol. 1 & 2

| 20. Januar 2016 | 0 Comments
Seer

(c) Art Of Propaganda

Als die Tage im kanadischen Vancouver kürzer wurden und sich kühle Winterwinde ankündigten, wurden Seer im Herbst 2014 geboren. Gefangen zwischen dem endlosen Pazifik, schroffen Berglandschaften und dichten Wäldern, entstand ein gleichermaßen urtümlicher wie druckvoller und wütender Sound. Die ersten beiden Kapitel der jungen Bandgeschichte, „Vol. 1 & 2“, jeweils drei Tracks, ergeben gleichzeitig auch das Debütalbum der Kanadier, die es sich zwischen Doom und Sludge bequem gemacht haben.

Mit aller gebührenden Härte und ordentlich Druck beginnt dieser Husarenritt, getragen von den durch Mark und Bein fahrenden Gitarren von „Glimmervoid“ und heulenden, kraftvollen Vocals, die ein wenig an die Post-Punk-Szene, aber auch an Danzig erinnern. Spätestens wenn heisere Schreie für einige wenige Sekunden einsetzen, ist diese Assoziation aber wie weggeblasen. Falsett-Töne, wütender Mittelteil mit einem Auge in Richtung Sludge-Abgründe, feine Gitarrenarbeit und insgesamt acht Minuten ohne einen Funken Langeweile machen diesen Auftakt gleichzeitig auch zum besten Track des Albums.

Ein ähnliches Monster findet sich auch zum Auftakt der zweiten Seite: „Haunter“ bewegt sich jedoch eher im von Stoner-Sludge-Riffen durchzogenen Doom Metal, an dem sich die Norweger Tombstones 2013 äußerst erfolgreich versuchten – auch das ein durchaus eindrucksvolles Monster. Selbst der fiese, abgründige Part kommt gut. Was jedoch die Stimmung ein wenig trübt, sind die jeweiligen Schlusspunkte beiter Seiten. Zieht sich „Cosmic Ghost“ mit reduzierter Gloom-Atmosphäre zumindest halbwegs achtbar aus der Affäre, ist das unnötig in die Länge gezogene Instrumental „Aeons“ nervig.

Unterm Strich bleibt ein eher kurzes Album mit jeweils monumentalem Auftakt zu beiden Seiten, sauberem Mittelteil (das grimmige „Hive Mind“ und das herrlich überdrehte „Antibody“) und mattem Abschluss. „Vol. 1 & 2“ hat seine Schönheitsfehler, ist in den wirklich starken Momenten allerdings sogar drauf und dran der Konkurrenz zu enteilen. Nicht nur, dass Seer glücklicherweise keine Volksmusik machen – siehe die grausamen Namensvetter -, sie verstehen ihr düsteres Handwerk richtig gut und scheinen das Potential für einen echten Klassiker zu haben.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 22.01.2016
Erhätlich über: Art Of Propaganda

Facebook: www.facebook.com/seervancouver

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Category: Magazin, Reviews

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