Toundra – IV

| 21. Januar 2015 | 0 Comments
Toundra

(c) Marcos Sanchez

Toundra jagen ihren instrumentalen Experimental Post Rock in die nächste Runde, bloß auf einem anderen Level. Der Nachfolger von „(II)“ und „(III)“ erscheint nun bei Superball Music und fällt aus den Klammern. Für „IV“ wählen die Spanier das klassische Konzeptalbum als Ausdruck ihrer Kreativität – ohne Gesang, ohne wirklichen Albumtitel. Einzig das Cover weist notdürftig auf die Geschichte von zwei Füchsen, die aus ihrer nun brennenden Heimat Wald flüchten mussen, hin – eine Idee, die als Metapher für die Zerstörung der Umwelt durch den Menschen zu sehen ist.

Nein, neu ist diese Idee nun wirklich nicht, dafür legen sich Toundra aber auch ordentlich ins Zeug und wagen abermals den Blick über den Tellerrand. Die Spanier haben sich immer schon weit über die Grenzen des Post Rock hinausgewagt, setzen nun aber neue Akzente. In „Viesca“ tauchen Blechbläser und Streicher auf, erinnern zuweilen an die folkige Phase von Sigur Rós und bieten bestenfalls im konzeptuellen Rahmen Mehrwert. Wie auch im Fall der Endlos-Feedback-Schleife „Lluvia“, einer Art Drone-Exkurs, handelt es hierbei um ein überlanges Zwischenspiel, eine durchaus zweifelhafte Episode.

Zwar gibt es ausnahmsweise Abzüge in der B-Note, rundherum machen Toundra ihre Arbeit aber gewohnt bombastisch. Das mit einem Video versehene „Oro Rojo“ pendelt zwischen großen Gefühlen, ein wenig Wehmut und einem fieberhaften Happy End durch süßlich-singende Gitarren. „Qarqom“, mit über neuneinhalb Minuten Spielzeit quasi das Herzstück, brandet immer wieder von Neuem auf, wechselt stellenweise in gar metallische Gefilde und zeigt die Spanier von ihrer kompakten, besonders intensiven Seite, die im nicht minder wechselhaften, proggig-verstörenden und ausufernden „Belenos“ ihren Höhepunkt findet.

Dennoch: Erstmals in ihrer Karriere haben die Spanier mit einem kleinen Rückschlag zu kämpfen. Dabei ist „IV“ alles andere als schlecht: Nach zwei überragenden Benchmark-Platten fehlt dieses Mal schlicht und ergreifend der durchgehende, alles plattmachende Aha-Effekt, das große, erhabene Momentum, das alle Zweifel ausräumende Momentum. Sieht man von den viel zu langen, dürftigen Zwischenspielen ab, servieren Toundra gewohnt hochklassige, atemberaubende Post Rock-Kost, die längst sämtliche gängigen Parameter des Genres gesprengt hat und weiterhin sprengen wird.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 23.01.2015
Erhätlich über: Superball Music (Universal Music)

Facebook: www.facebook.com/toundra

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Category: Magazin, Reviews

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