Zapruder – Fall In Line

| 20. Oktober 2014 | 0 Comments

Zapruder

Kontrolliertes Chaos punktgenau und nachhaltig einzufangen, birgt gewisse Risiken in sich. Für jede Botch, The Dillinger Escape Plan, Sail This Ship Alone und Converge gibt es zig Bands, die an diesem Unterfangen scheitern. Zapruder aus Frankreich gehören zu jenen Vertretern, die sich entgegen aller Widrigkeiten mit einer präzise aufgenommenen und doch wahnwitzig arrangierten Platte von ihrer Schokoladenseite zeigen. „Fall In Line“, ihr erstes Album, beschreiben sie selbst als ‚Post-Mathcore‘.

Dass man es hier mit keinen ‚herkömmlichen‘ Chaoten zu tun hat, zeigt sich spätestens im Mittelteil des zweiten Songs „Cyclops“, als sich aus bedrohlichen Post-Metal-Kargandschaften ein entrückt wirkendes Saxophon herausschält und in bester Ihsahn-Manier die Absurdität auf die Spitze treibt. Bis es dazu kommt, ergehen sich Zapruder in einer Melange aus hektischem Mathcore und fiesen Noise-Störattacken, die mit jedem Umlauf wütender und kaputter werden. Vergleichsweise geradlinig geht es dagegen im Opener „We Are Orphans“ vor sich, der Chaotic Hardcore mit Post-Rock-Klängflächen und fiesem, heiserem Gekeife mischt.

Natürlich ist das noch nicht der Gipfel des Wahnsinns. Diesen liefert „Monkey On My Back“, ein sechs Minuten langer Höllenritt mit entstellter Noise-Hässlichkeit, einem kaum definierbaren Meer aus Distortion und hektischem, sich selbst überschlagendem Gehoppel. Die Akustikgitarren und Ambient-Anteile des folgenden Intermezzos „Loquèle“ können nicht früh genug kommen. „Moloch“ hingegen, der andere Sechsminüter, überrascht mit hymnischem Post-Hardcore-Mittelteil, Weltschmerz und einer Prise Shoegaze. Und ja, hin und wieder ist auf dieser Platte tatsächlich penetrant eingängiger Klargesang zu hören.

Auf „Fall In Line“ findet zusammen, was nach sämtlichen Regeln der Musiklehre nicht zusammenfinden dürfte, und genau darin liegt die Kunst. Zapruder sind auf ihrem ersten Album gleichermaßen kratzbüstig und chaotisch in ihrem Math-Noise-Brechstangentwist, finden aber ebenso immer wieder, eigentlich sogar immer öfter zu jener inneren Ruhe und räumlichen Offenheit, die gleichermaßen mit kunstvoll arrangierten Missetaten ver- und bezaubert. Die Franzosen machen gleichermaßen ratlos, betroffen und berührt – eine seltene, packende, geradezu süchtigmachende Mischung widrigster Umstände.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 20.10.2014
Erhätlich über: Apathia Records (Frankreich-Import)

Facebook: www.facebook.com/zaprudertheband

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Category: Magazin, Reviews

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