Slipknot – .5: The Gray Chapter

| 17. Oktober 2014 | 0 Comments

Slipknot

Für Slipknot bricht ein neues Zeitalter an, und das alles andere als freiwillig. Zwei Fixgrößen fehlen auf ihrem neuen Album. Bassist Paul Gray kam vor vier Jahren tragisch ums Leben und hinterließ eine Lücke, die seither mit Wut und Schmerz gefüllt wird. Deutlich undurchsichtiger ist dagegen der Abgang von Joey Jordison, der seinen Angaben nach Slipknot nicht freiwillig verlassen hat. Fixen Ersatz gibt es nicht, stattdessen zwei Musiker mit ähnlichen Masken, deren Identität egal sein soll. Definitiv nicht egal ist „.5: The Gray Chapter“, ein überraschend vehementer und ausdifferenzierter Neubeginn.

Nach Veröffentlichung der ersten beiden Hörproben wurden schnell Vorwürfe laut, Slipknot würden mehr und mehr zum Stone Sour-Klon mutieren. Tatsächlich erinnern gewisse Passagen in „The Negative One“ und, vor allem, „The Devil In I“ an Corey Taylors Zweitband, aber derlei Momente gab es bereits auf dem Vorgänger „All Hope Is Gone“. Schnell wird allerdings eines klar: Slipknot geben sich 2014 deutlich experimentierfreudiger, setzen gerne Keyboard- und Synthi-Flächen ein, und bauen damit auf überraschende Akzente. „Killpop“ ist einer jener unorthodoxen Tracks, eine gespenstische Halb-Ballade mit Fokus auf Sampling und Percussion. Neben den insgesamt prominenter eingesetzten Scratches zeigt sich: alle Mitglieder stehen hier gleichermaßen im Zentrum.

Natürlich geht es auf „The Gray Chapter“, wie der Titel korrekt vermuten lässt, um den Abschied von #2. „Goodbye“, ein gespenstisches und doch eindringliches Songmonster, gibt die Erinnerungen der Band an Grays Todestag wieder. Auch das mächtige „Skeptic“ mit seinem eindringlichen Refrain und Zeilen wie „The world will never see another crazy motherfucker like you / The world will never know another man as amazing as you“ machen deutlich, wer hier besungen wird. Gleichzeitig haben Slipknot einige der härtesten Abrissbirnen seit langem auf dieses Album gepackt. „Custer“ ist ein rundum kaputter Hackbrett-Höllenritt, der so auch auf dem Debütalbum Platz finden hätte können. In „AOV“ setzt es stellenweise fette Thrash-Rhythmen, während das zittrige „Lech“ und der Percussion-Gigant „Nomadic“ ein wenig „Iowa“-Flair heraufbeschwören.

Umrahmt werden diese 64 Minuten von zwei nicht minder spektakulären Tracks. Corey Taylors eröffenende Brandrede „XIX“ wird von wirren Harmonium-Klängen begleitet, während das verkopfte, mysteriöse „If Rain Is What You Want“ wie der Abspann zu einem Film klingt; ein Film, der zur Renaissance Slipknots wird. Wirklich glauben wollte man an einen solchen Husarenritt nicht mehr, zumal über einen längeren Zeitraum Zweifel bestanden, ob es „.5: The Gray Chapter“ überhaupt geben würde. Slipknot schwimmen sich mit einem kompakten, mutigen, fatalistischen, knüppelharten und stets in Sicherheit wiegenden Monster frei, das in seiner geschlossenen Klasse an „Vol. 3: (The Subliminal Verses)“ erinnert. Maggots, verbeugt euch.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 17.10.2014
Erhätlich über: Roadrunner Records (Warner Music)

Website: www.slipknot1.com
Facebook: www.facebook.com/slipknot

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Category: Magazin, Reviews

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