Sail This Ship Alone – Coma

| 6. August 2013 | 0 Comments

Sail This Ship Alone

Wien ist ab sofort Hochburg der Core-Chaoten. Erst im Sommer 2012 gegründet, arbeiten Sail This Ship Alone zielstrebig an der Eroberung der Noise-Welt. Chaotischer Hardcore und Math-Hack treffen auf entproggten Wahnsinn und Post-Electro-Breakdown-Gewitter? Was sich bereits abstrakt liest, spottet musikalisch jeder Beschreibung. Wer es so richtig schön kaputt und doch beeindruckend detailreich durchdacht mag, wird die Wucht des Debütalbums „Coma“ genießen.

Totale Zerstörung von der ersten bis zur letzten Sekunde – so in etwa könnte man das beschreiben, was Sail This Ship Alone in den knapp 26 Minuten von sich geben. Dass Converge und die vor kurzem supporteten Code Orange Kids zu den Lieblingen des Quartetts gehören, ist unüberhörbar. Man führe sich bloß das geschickt zur Album-Mitte platzierte „Death Awaits“ vor Augen. Was zu Beginn vor allem knüppelhart, rasant und dezent angegrindet wirkt – die schrillen Gitarren passen natürlich auch zu den Szene-Favoriten The Dillinger Escape Plan – sackt nach etwas über einer Minute in sich zusammen. Nebengeräusche und Ambient-artige Quasi-Stille überfordern die Generation ADS mit gepflegtem Nichts, bevor sich die Wiener in einen manischen Groove-Part stürzen, von wütenden Vocals herrlich zerschossen.

Kaputt ist hier vieles, repariert muss freilich kaum etwas werden, auch wenn die teils elektronischen, teils fast komplett stillen Breakdowns sich nicht immer erschließen wollen. Warum „Amnesia“ kurzzeitig in sich zusammensackt? Vermutlich um den kakophonischen Finale mehr Ausdruck zu verleihen. Der abschließende Titeltrack „Coma“ versteckt sich gleich komplett hinter einer Art verhinderten Noise-Wand, die hier nach Understatement klingt. Wenn sich zwischendurch „Weakest Link“ und „I Am Emptiness“ in bester Math- bzw. Chaotic-Manier durchs Gebälk hacken, versteht man die Welt erst recht nicht mehr.

Nicht immer sind – auch in dieser überaus extremen Nische – kurze Alben das Gelbe vom Ei. Knapp 26 Minuten dauert „Coma“, und doch reicht es aus. Nicht etwa weil die Musik schlecht wäre, man hat gerade nach den ersten paar Durchläufen Schwierigkeiten, diese hektische Wand zu bändigen. Sail This Ship Alone zucken stets, können kaum still halten, machen aus ihren Verschnaufpausen Methode, nur um noch härter, noch brachialer, noch wirrer einzusetzen. Selbst wenn man es – physisch wie psychisch – nicht schafft, stets am Ball zu bleiben, so lohnt sich diese Platte gerade für Fans von gehaltvollem, einzigartig kreativem Chaos allemal. Wer braucht schon einen roten Faden, wenn man sich dermaßen gewitzt die Rübe rubbeln lassen kann.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 05.08.2013 (DL)
Erhätlich über: Eigenvertrieb

Website: www.sailthisshipalone.com
Facebook: www.facebook.com/SailThisShipAloneHC

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Category: Local Bands, Magazin, Reviews

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