The Chant – New Haven

| 3. Juni 2014 | 0 Comments

The Chant

Nach vergleichsweise ruppigen Anfängen wurden The Chant schrittweise ruhiger und ruhiger, bewegten sich vor zwei Jahren auf „A Healing Place“ gen atmosphärischen Düster-Rock und Shoegaze. Nicht umsonst wird die Band als ‚finnische Katatonia‚ bezeichnet. Hinter diesem bedeutungsschwangeren Beinamen stecken sieben Herren und Damen, auf die sich ebenso Fans von Anathema, Tool, Junius und Alcest verstehen könnten. Mit „New Haven“ wagen sich The Chant noch weiter in nachdenkliche Gewässer hinaus.

Das harte, an Tool erinnernde „Earthen“ überrascht als Aufakt ein wenig, wird man hier doch bestenfalls bedingt auf den Rest des Albums vorbereitet. Der knisternden Spannung und den kurzen, wohl aber effektiven emotionalen Achterbahnfahrten tut dies keinen Abbruch. „Minotaur“ führt im Anschluss in sicherere Gefilde. Zwar sind, wie über weite Strecken der Platte, metallische Untertöne zu erkennen, diese halten sich jedoch geschmackvoll und dezent im Hintergrund auf. Atmosphärische Gitarren und proggige Keyboards bieten Frontmann Ilpo Paasela ausreichend Raum, um mit seiner betörenden, warmen Stimme Zweifler auf die finnische Seite der cineastischen Düsternis zu bewegen.

In weiterer Folge durchlebt „New Haven“ eine emotionale Achterbahnfahrt mit minimalen qualitativen Schwankungen. Längen und Wiederholungen (z.B. in „Playwright“ oder „Drifter“) werden durch bissige, frische Entwürfe wie „Cloud Symmetry“ getilgt. Luftiges Schlagzeugspiel trifft auf energische Gitarren und entfernt an Type O Negative erinnernde Strophen – eine mehr als sympathische Zusammenstellung. Am Ende der Platte wartet „Come To Pass“, eine über acht Minuten lange (stellenweise zu lange) Elegie, die semi-balladeske Elemente mit Anathema-Grandezza und Post-Gothic-Silberstreif kreuzt.

Mit Längen und stellenweise gar unnützem Ausreizen von Spielzeiten haben The Chant nach wie vor ein Problem. „New Haven“ hätte ingesamt vier, fünf Minuten kürzer sein können – es hätte wohl kaum einen gestört. So fällt es nicht bei jedem Song leicht, sich vollends darin zu verlieren – und gerade das macht eigentlich das atmosphärische Herangehen der sieben Finnen aus. Dennoch: Man beschwert sich auf hohem Niveau; Niveau, das deutlich über dem des Vorgängers liegt. The Chant sind mit Sicherheit auf dem richtigen Weg.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 06.06.2014
Erhätlich über: Lifeforce Records (Soulfood Music)

Website: www.thechant.net
Facebook: www.facebook.com/thechant

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Category: Magazin, Reviews

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