Glasgow Coma Scale – Apophenia

| 3. März 2014 | 0 Comments

Glasgow Coma Scale

Post Rock und Glasgow, da denkt man beinahe zwangsläufig an Mogwai. Nicht aus Schottland, sich aber wohl nicht nur musikalisch mit der Stadt verbunden fühlend, sind Glasgow Coma Scale aus Frankfurt am Main um die Brüder Piotr und Marek Kowalski. Deren Familie ist tief in der Tradition polnischer Orchestermusik verankert – ein Erbe, das die beiden gemeinsam mit Schlagzeuger Helmes Bode auf Rock-Ebene antreten. Zu dritt versucht man sich an instrumentalem Post Rock, der unter anderem an eben jene Mogwai erinnert und den Schönklang gepachtet hat. „Apophenia“ – die Erfahrung, scheinbare Muster und Beziehungen in zufälligen, bedeutungslosen Einzelheiten der Umwelt wahrzunehmen – ist der Titel ihrer 4-Track-EP.

Mit nachdenklichen, beiläufig eingestreuten Klängen eröffnet „Syntagma“ diese Platte. Unspektakulär interagiert die Rhythmusabteilung mit die Gitarre, die im Duett mit ein wenig Keyboard-Einsatz zu singen beginnt. Nach eineinhalb Minuten setzt das Leitmotif des Tracks ein, sehr freundlich und doch bestimmt vorgetragen. Wenn die Frankfurter schließlich doch himmelwärts explodieren, wird besagte Kennmelodie regelrecht vorangepeitscht, dynamisches Breakdown und wütendes Finale inklusive. „Funkstille“ beginnt dagegen geradezu balladesk und doch prägnanter, wirkt insgesamt um ein Vielfaches ruhiger und geordneter, erinnert im Aufbau entfernt an Tides From Nebula. Die Post-Grunge-Untertöne einer brachial verzerrten Gitarre hat man in diesem klanglichen Umfeld so noch nicht gehört – eine willkommene neue Erfahrung.

Auch die B-Seite geizt nicht mit Reizen. „Urania“ blubbert beinahe nautisch vor sich hin, nur um in seinen härteren Momenten gen metallische Gefilde zu schielen, während „Kids Are Astronauts“ die Kombination von schweren Gitarren und berauschenden Synthis perfektioniert. Man muss Computer und Keyboards nicht scheuen, wenn sie derart organisch und harmonisch ins Gesamtbild eingebettet werden. Der kleine Bruch zur zweiten Hälfte hin mit dem in sich zerrissenen Gitarrenmotiv nebst pulsierendem Basslauf verbindet gar Rührung mit Aufbruchsstimmung zu einer raren, emotionalen Regung.

Mit ihrem Händchen für große Melodien und noch größeren Spagaten semi-elektronischer Natur erinnern Glasgow Coma Scale entfernt an Doomina und sogar an Long Distance Calling, die beiden Genre-Vorreiter des vergangenen Jahres. Ohne Zweifel stellt „Apophenia“ eindrucksvoll unter Beweis, dass die Frankfurter auf dem besten Weg dazu sind, in diese Phalanx einzudringen. Mit dieser knappen halben Stunde Post Rock-Magie setzen die Schotten im Geiste die Messlatte für künftige Veröffentlichungen verdammt hoch.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 08.02.2014
Erhätlich über: Eigenvertrieb (DL)

Facebook: www.facebook.com/glasgowcomascale

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Category: Magazin, Reviews

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