Microtonner – Navigation

| 10. Oktober 2013 | 0 Comments

Microtonner

Endlich sind sie angekommen. Zehn Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums „The Power Of Ignorance“, das unter dem Eindruck der mehr als zweifelhaften ersten Amtszeit von George W. Bush stand, landen Microtonner. In der Zwischenzeit experimentierte man mit Electro- und Industrial-Klängen, fand aber letztlich wieder zu deutlich organischerer Musik zurück. Gitarrist Martin Baumann und Bassist Paul Proll steht mit Christian Hubmann nun auch ein Schlagzeuger zur Seite, der dem neuen Material zusätzliche Dynamik verleiht. Auf „Navigation“ widmet man sich rein instrumentaler Rockmusik mit Post- und Shoegaze-Anleihen.

Auf Gesang wird verzichtet, selbst Samples hört man so gut wie keine. Microtonner klingen 2013 angenehm organisch und nachdenklich. „Departure“ eröffnet, pardon, die Reise durchaus gekonnt mit schlichten, zweckdienlichen Drums, solider Rhythmusarbeit und langsam aufbrandenen Gitarren, die, sobald sie einmal die Führung übernommen haben, irgendwo zwischen charmanter Unnahbarkeit und post-urbanem Zerstörungsfaible platziert werden. Microtonner lassen ihre Musik gerne untergehen, sofern die Fahnen zu fliegen lernen.

Zu den interessantesten Exzerpten dieser neuen Songs zählt „Dark Surface“ mit dem etwas schrägen Sample einer stöhnenden Frau (?) und schroffen, dezent an Ministry erinnernden Gitarren. Hier versucht sich das Trio an verhältnismäßig metallischen Klängen, nimmt ein wenig Industrial-Atmosphäre von ihrem „Sub Zero“-Album mit und lässt sich von wuchtigen, mit Hall belegten Drumsalven in die Knie zwingen. Ein „Back Again“ verbreitet hingegen so etwas wie Hoffnung, einen pervertierten Silberstreif am nicht existenten Horizont, der nach wenigen Sekunden schon wieder von kathartischer Misanthropie überrollt wird.

Auf „Navigation“ skizzieren Microtonner die Tristesse einer urbanisierten, entmenschlichten Welt, die kühl, mechanisch, nur sehr selten freundlich dargestellt wird. Man fühlt sich an die Hochhaus-Melodik von Collapse Under The Empire und die versteinerten Reste von Doomina erinnert, speziell wenn das abschließende „Gone“ in bester Kodiak-Manier Drone-Schnipsel in die Echokammer lockt. Herausgekommen ist ein kompaktes Energiebündel mit internationalem Flair, das Microtonner auf dem bisherigen Höhepunkt ihres Schaffens zeigt. Bislang gibt es „Navigation“ nur digital via Bandcamp, ein Plattenvertrag darf eigentlich nur eine Frage der Zeit sein. Mehr von dieser heimischen Instrumental Rock-Größe gibt es auf der offiziellen Homepage, wo man sämtliche bisherigen Releases zum Gratis-Download findet.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 01.10.2013
Erhätlich über: Eigenvertrieb (DL)

Website: www.microtonner.com
Facebook: www.facebook.com/pages/Microtonner-band/102700956475142

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Category: Local Bands, Magazin, Reviews

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