Pennywise – All Or Nothing

| 16. Mai 2012 | 0 Comments

Pennywise

Die größten Gegner einer Band sind manchmal die eigenen Fans. Was war das nicht für ein Aufschrei, als Pennywise-Sänger Jim Lindberg nach knapp zwei Jahrzehnten „Ich habe fertig“ sagte. Danach war kurzes Kopfkratzen angesagt: Wer wird denn da der Neue? Oder war’s das endgültig? Es spricht für die Qualität der Band, dass man sich beim Ersatz für Lindberg nicht mit bloß irgendjemand zufrieden gegeben hat, denn niemand Geringeres als Zoli Téglás, Stimme von Ignite, durfte den freien Platz einnehmen. Jetzt liegt mit „All Or Nothing“ der erste Longplayer mit dem neuen Frontmann vor und allen zitternden Fans sei gesagt: Da ist nichts schlechter geworden, eher im Gegenteil.

Denn Téglás schafft es tatsächlich, einer seit zwei Jahrzehnten bestehenden Band wieder etwas frischen Wind einzuhauchen. „All Or Nothing“ ist ein sehr starkes Lebenszeichen der Melodic-Hardcore-Veteranen, das noch dazu zur perfekten Jahreszeit veröffentlicht wird. Wenn draußen die Sonne scheint und man sich an irgendein kühles Gewässer wünscht, dann wirken Hymnen wie „X-Generation“, die sofort ins Ohr und nicht mehr rausgehen, noch viel stärker – „Wooahh-Wooahh“-Chöre inklusive, die natürlich nach dem zweiten Durchlauf schon auswendig mitgegrölt werden. Der Titeltrack und Opener „All Or Nothing“ gibt dabei gleich mal die Richtung vor: Pennywise-typisch mit Vollgas und außerdem mit einer Energie, die man auf den letzten Alben ein bisschen vermisst hat. Wo Kollegen wie Rise Against songwritertechnisch vielleicht inzwischen etwas vorbeigezogen sind, machen sich Pennywise mal ein Bier auf und feuern das Publikum zum Mitsingen an.

Immer ein bisschen Sozialkritik oder gleich der Aufruf zur „Revolution“ – thematisch bleibt sich die Band natürlich treu. Natürlich wäre eine komplette Neuausrichtung Schwachsinn gewesen, denn auch Pennywise können nicht aus ihrer Haut. Und nur mit dermaßen viel Erfahrung im Gepäck schafft man es wohl auch, frisch zu klingen und gleichzeitig Erinnerungen an The Offspring der frühen Neunziger zu wecken. „We stand strong“ ruft die Band an einer Stelle – wie wahr, möchte man zurückrufen. Unterm Strich eine äußerst gelungene Frischzellenkur mit einem Glücksgriff als neuem Sänger. Wer braucht da noch eine neue „Bro Hymn“?

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 27.04.2012
Erhältlich über: Epitaph Europe (Indigo)

Website: www.pennywisdom.com
Facebook: www.facebook.com/pennywise

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Category: Magazin, Reviews

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