Fair To Midland – Arrows & Anchors

| 16. Juli 2011 | 0 Comments

Fair To Midland

Dass die Texaner Fair To Midland keine x-beliebige Rockband sind, weiß man spätestens seit dem 2007er Langeisen „Fables From A May Fly: What I Tell You Three Times Is True“. Der Mix aus packendem Alternative Rock und progressiven Klängen verhalf den Herren sogar zu einem Plattenvertrag beim Label von System Of A Down-Frontmann Serj Tankian. Nun, vier Jahre später, hat man in E1 in Nord-Amerika und in dem eher für Düster-Metal bekannten Label Season Of Mist eine neue Heimat gefunden. Die Eroberung der Rock-Welt kann also mit „Arrows & Anchors“ endlich fortgesetzt werden.

Spätestens beim dritten Song „Musical Chairs“ wird klar, dass man die letzten vier Jahre nicht mit Däumchen drehen verbracht hat. Der Track strotzt nur so vor süchtig machenden Hooklines. Sänger Darroh Sudderth wechselt wie ein gesangliches Chamäleon zwischen bittersüßen Vocals, sirenenartigem Gesang und vereinzelten bösen Shouts. Das anschließende „Uh-Oh“ hätte auch aus der Feder von Coheed And Cambria stammen können.

Zwar macht der unglaubliche Stimmumfang von Sudderth viel vom Reiz Fair To Midlands aus, aber die Leistung der Instrumentalfraktion sollte man deshalb nicht schmälern. Axtmann Cliff Campbell hat von verspielten Gitarrenharmonien bis hin zu brettharten Riffs alles in petto. Der bärenstarke Midtempo-Stampfer „Amarillo Sleeps On My Pillow“ lebt zum Beispiel von Banjo-Klängen während den Strophen und explodiert beim Refrain zu einem echten Alternative Metal-Riffgewitter, welches auch einer Band wie Hurt hervorragend stehen würde. Drummer Brett Stowers beherrscht wildes Geballer genauso gut wie progressives Drumming, natürlich immer im Dienste des Songs. Keyboarder Matt Langley haucht dem Ganzen noch einen mystischen Touch ein, was hin und wieder Erinnerungen an Faith No More hervorruft.

Das Quintett bringt es auf beeindruckende Weise fertig aus ihren Songs, trotz ihrer Komplexität und Tiefe potentielle Hits zu basteln. Nummern wie „A Loophole In Limbo“ und „Short Haired Tornado“ bilden da keine Ausnahme. Man sollte meinen, dass bei insgesamt 15 Tracks (inklusive Intro und Interludes) der Spannungsbogen irgendwann abnimmt, aber die Jungs schaffen es den Hörer von Anfang bis Ende in seinen Bann zu ziehen. Um kurz einmal abzuschalten, passiert in den Songs einfach zu viel.

Das abgefahrene „Rikki Tikki Tavi“ lebt vom Kontrast der zerbrechlichen Vocals auf der einen und wüstem Gebrüll auf der anderen Seite. Wenn Dredg und Mudvayne gegeneinander in den Boxring steigen würden, würde es wohl nicht anders klingen. Im kurz darauf folgenden „Golden Parachutes“ wird man einmal mehr von großer Epik in den siebenten Musik-Himmel empor gehoben. Der elfminütige Rausschmeißer „The Greener Gras“ endet  mit einem Outro, welches an die End Credits eines Kinofilms erinnert. Absolut passend, denn hier herrscht wirklich ganz großes Kino.

Die musikalische Vielfalt wird bei „Arrows & Anchors“ groß geschrieben und somit gibt es auf dieser musikalischen Reise einiges zu entdecken. Fair To Midland verschmelzen Eingängigkeit und Anspruch einwandfrei und brauchen sich vor ihren australischen Genre-Kollegen wie Karnivool und Dead Letter Circus nicht zu verstecken.  Hut ab!

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 15.07.2011
Erhältlich über: Season Of Mist (Soulfood Music)

Homepage: www.ftmband.com
Facebook: www.facebook.com/ftmband

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Category: Magazin, Reviews

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