Held. – Grey

(c) Nick Karp
Wenn ein erstes Album bereits klingt, als wäre es von langjährigen Veteranen aufgenommen worden … dann ist das vermutlich auch so. Held. sind zwar als Band relativ neu, bringen dafür echte Post-Hardcore-Prominenz zusammen. Von The Sleeping mischen Frontmann Douglas Robinson und Bassist Salvatore Mignano mit, an den Drums sitzt Josh Eppard von Coheed And Cambria. Wohin die musikalische Reise geht, ist somit keine Überraschung. Und doch landet „Grey“ durch seine pure Intensität angenehm unerwartete Volltreffer.
Teilweise gelingt das mit prominenter Unterstützung besonders gut. Frank Iero von My Chemical Romance und L.S. Dunes steuert Gitarrenparts für „New You Anthem“ bei. Tatsächlich ist das eine mächtige, fieberhafte Hymne geworden, die sich binnen Sekunden einbrennt und die etatmäßige Härte mit einem überlebensgroßen Chorus zusammenführt. Das herrlich abgefuckte „Knifepoint“ scheint sich hingegen konstant selbst zu widersprechen und häutet sich wieder und wieder. Dafür sind gewiss High Vis mitverantwortlich, die aufwühlenden Wahnsinn beisteuern, während Robinson zumindest versucht, so etwas wie ein Ruhepol zu sein. Wiederholte Mini-Eskalationen wissen zu unterhalten.
Auch ‚alleine‘ zeigen sich Held. von ihrer besten Seite. Die nervöse Energie von „I And I Against You All“, die proto-metallische Elemente mit klassischem Riffing zusammenbringt, weiß absolut zu unterhalten. Bleierne Schwere und verspielte Melodik fordern ein wenig heraus und gehen dennoch ins Ohr. Der kurze, wuchtige Opener „Defending The Earth“ dreht hingegen konsequent am Rad, packt ordentlich Härte drauf und stapft mit furioser Uptempo-Wut voran. Hinter dem kuriosen Titel „Broken Spacesuit \\ „Decay & Sand“ //“ steckt eine fast progressive Meisterleistung, die epische Finsternis, dezente Nu-Elemente und fortschreitende Selbstaufgabe zusammenführt.
Nicht immer ganz einfach, doch stets einfach gut – so oder so ähnlich lässt sich dieser mächtige Einstand zusammenfassen. Held. servieren in etwa das, was man sich angesichts der versammelten Post-Hardcore-Prominenz erwarten konnte, und würzen das mit bekömmlichem Wahnsinn. Etwas Zuckerguss hier, plötzliche Eskalation da, Metal-Wahnsinn und vertrackter Groove als kleiner Bonus – „Grey“ hat all das, und noch viel mehr. Und vor allem: richtig gute Songs. Das hier macht von der ersten bis zur letzten Sekunde richtig viel Laune und lässt auf eine baldige Fortsetzung dieses Projekts hoffen.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 15.05.2026
Erhältlich über: MNRK Records (SPV)
Instagram: www.instagram.com/held.band


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