Stoned Jesus – Songs To Sun

(c) Dania Forys
Nur wenige Bands schaffen es, gleichzeitig so verspielt und schwebend wie heavy und massiv zu klingen, wie das Stoned Jesus wieder und wieder gelingt. Das einst als Soloprojekt gegründete Trio aus der Ukraine erspielte sich in den letzten Jahren einen verdienten Ruf als Geheimtipp in progressiven Stoner- und Alternative-Gefilden, wobei es weiterhin angenehm schwer bleibt, die Herren in eine Schublade zu zwängen. Und das wird wohl weiterhin so bleiben, denn mit „Songs To Sun“ beginnen sie eine Album-Trilogie, die das bisherige Schaffen Schritt für Schritt auf die kreative Spitze treiben soll.
Bestes Beispiel für die Songwriting-Künste des Trios ist „Lost In The Rain“, das sich nahezu komplett von Heavyness verabschiedet und mit relativ klassischen Prog-Rock-Motiven, etwas Folklore sowie einem Hauch Psychedelia spielt – ellenlang, hochgradig melodisch und in seinen knapp acht Minuten voller kleiner und großer Überraschungen. Bei aller Ruhe und Zurückhaltung, die schon mal an Porcupine Tree erinnert, hält man die Spannung konstant hoch. Dass das folgende, halb so lange „Low“ wie eine brachiale Dampfwalze durchackert, feisten Stoner Metal mit Doom-Schlagseite und Mastodon-Intensität serviert und doch nie aus dem Rahmen fällt, passt prima ins Bild.
Und so häuten sich Stoned Jesus mehr und mehr, gehen neue Wege und passen diese doch stets prima an das vertraute Klanggewand an. Wie „Quicksand“, eine nahezu zehnminütige Prog-Rock-Meditation, reduziert und anmutig, später laut und fordernd, dabei stellenweise semi-akustisch. Hier stecken Schmerz und Gefühl in jeder Note, während man die Antithese zur alten Genre-Schule bemüht und sich auf Traumreisen einlässt. Die gibt es auch in „New Dawn“, marginal kürzer und lange Zeit suchend. Die wiederholten kleinen Eruptionen purer Heavyness bieten dafür maximalen Unterhaltungswert und halten das Ding zusammen. Sogar für etwas Tool-Magie im Schlussdrittel bleibt Platz.
Nichts hieran ist auch nur annähernd einfach, doch geht das absolut in Ordnung. „Songs To Sun“ wagt sich selbst für Stoned Jesus weit hinaus, bemüht stilvolle Reduktion und klingt deutlich größer, erhabener als die Vorgänger. Dieses Mal punkten vor allem die feinen Zwischentöne, diese Magie der Stille und Intimität, die Großes ankündigt. Wie groß, wird sich wohl erst mit dem Release der beiden Fortsetzungen zeigen. Schon jetzt können die imposanten, beklemmenden und doch majestätischen Spannungsbögen des Trios begeistern – eine spannende Entwicklung auf allen Ebenen, die sehr viel verspricht und hoffentlich auch hält.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 19.09.2025
Erhältlich über: Season of Mist
Facebook: www.facebook.com/stonedjesusband


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