Clutch – Sunrise On Slaughter Beach

| 16. September 2022 | 0 Comments
Clutch

(c) Dan Winters

Nein, es ist nicht die von Drummer Jean-Paul Gaster erwartete beschwingte Platte als Reaktion auf Pandemie und Polarisierung geworden. Clutch lassen sich so und so in keine Schublade pressen, und so entpuppt sich ihr mittlerweile 13. Studioalbum auch als ihr vielschichtigstes. Nachdem sie in den vier Jahren seit „Book Of Bad Decisions“ ihr Archiv öffneten sowie diverse Live-Mitschnitte veröffentlichten, wirkt „Sunrise On Slaughter Beach“ nun wie eine Rundreise durch das Schaffen der Rock-Veteranen.

Die frontalen, treibenden Rocker wirbeln Staub auf und bleiben sofort hängen. Ein solcher ist der Opener „Red Alert (Boss Metal Zone)“, fast schon angepunkt und richtig schön bissig. Neil Fallon singt sich in einen Rausch, die Rhythmusabteilung explodiert förmlich und die Riffs bleiben hängen – simpel, direkt und verdammt effektiv. Auch das kernige „Strive For Excellence“, ein weiterer Vorbote, geht mit wachsender Begeisterung nach vorne und lebt das bluesige Stoner-Faible des Quartetts vor. Hingegen bemüht der Quasi-Titelsong „Slaughter Beach“ ein wenig mehr Midtempo. Auch hier bleibt die Explosivität spürbar, doch die schweißtreibende Schwere, gepaart mit dem Gesang von Deborah Bond und Frenchie Davis – die ersten weiblichen Background-Stimmen der Bandgeschichte – brennt sich sofort ein.

Schweiß verspricht auch der verruchte Rausschmeißer „Jackhammer Our Names“. Das kurze und entschlackte Arrangement wirkt mystisch, fast schon gespenstisch. Wie von selbst steigt die Hitze zur Decke, die Stimmung scheint bis zum Zerreißen gespannt. Hingegen spielt sich das ellenlange „Mercy Brown“ in einen Rausch. Die ersten beiden Minuten wirken beinahe meditativ, dann heben Clutch in aller Gemächlichkeit ab mit dicken Breitseiten. Vibraphon und Theremin halten Einzug, die unbequeme und doch mitreißende Atmosphäre kommt gut. Hingegen mimt „Mountain Of Bone“ den direkten Stomper, richtig schön rockig und bluesig, nach der offenen Straße dürstend. Die Fülle an Riffs reißt von den Sitzen.

Clutch werfen einfach alles in den Topf, was sie gerade finden konnten, und schütteln eine packende Platte aus dem Ärmel. Ja, „Sunrise On Slaughter Beach“ ist etwas sehr kurz geworden, aber das ist die einzige wirkliche Schwachstelle dieses Albums. Mächtige Uptempo-Tracks, fette Riffwände, bluesige Schwere und ein paar neue Details liefern die Zutaten für eine von vorne bis hinten kurzweilige, unterhaltsame Platte, die es locker mit den großen Werken der US-Amerikaner aufnehmen kann. Auch nach drei Jahrzehnten im Geschäft bleiben Clutch eine Macht.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 16.09.2022
Erhältlich über: Weathermaker Music (Rough Trade)

Facebook: www.facebook.com/Clutchband

Slider-Pic (c) Dan Winters

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Category: Magazin, Reviews

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