Wizzerd / Merlin – Turned To Stone Chapter III

| 14. Juli 2021 | 0 Comments
Wizzerd / Merlin

(c) Ripple Music

Die besten Alben entstehen aus einem … Meme War!? Was sich bizarr liest, trieb für die beiden US-Bands Wizzerd und Merlin herrliche Blüten. Nachdem man sich mit wachsender Begeisterung mit Memes befeuert hatte, kam irgendwann die glorreiche Idee, man könne doch gemeinsame Sache machen. Und so trifft man sich für „Turned To Stone Chapter III“, die dritte Ausgabe dieser fieberhaften Split-Reihe. Jede Band erhält eine Vinyl-Seite, das Ergebnis ist – mehr oder minder – ein gemeinsamer Song.

Wizzerds „We Are“ klingt vergleichsweise klassisch, wenn man das denn überhaupt so nennen kann. Der psychedelische Ansatz mit vereinzelten Stoner-Riffs, Desert-Attitüde und entfremdeten Vocals aus der Schule von Zakk Wylde strahlt eine Halbzeit lang Lässigkeit aus. Richtung Zehn-Minuten-Marke nimmt der Distortion-Anteil stark zu, ebenso die vokale Aggression. Die Band aus Montana sorgt für beinahe doomige Verfinsterung, ohne die Psych-Prog-Wurzeln zu verlassen. Gerade das Hauptriff bei ca. 13 Minuten brennt sich sofort ein und liefert die Basis für wilde, ausufernde Solo-Parts der besonderen Art.

Was Merlin aus Kansas City auf der B-Seite abziehen, ist hingegen unglaublich kaputt. Dabei legen sie klassisch los mit beißendem Doom aus der frühen Cathedral-Schule, sehr monolithisch und wuchtig. Und dann, nach ungefähr sechs Minuten, fällt das Kartenhaus der Finsternis in sich zusammen. Disco-Funk und eine Art Flöte entführen den Track in tanzbare Gefilde, immer wieder von kuriosen Psych-Wänden durchbrochen. Später kommt sogar ein Drum-Computer hinzu und lässt selbst den vermeintlichen einstigen Kiss-Ausverkauf edgy erscheinen. Aber: Es funktioniert, und wie. Die schwebende Auflösung der Schlussminuten bleibt hängen.

Unerhört, kaputt, durch und doch so stark: Eigentlich hat die dritte „Turned To Stone“-Ausgabe kein Recht, so unwahrscheinlich gut zu klingen. Schwebende Psych-Wände, doomiges Wabern und ausgedehnte Dance-Breaks beantworten keine Fragen, werfen nur unzählige weitere auf. Wizzerds Traumreise und Merlins Doom-Discofox sind jeweils auf ihre ureigene Weise unwiderstehlich, voluminös, federleicht und zeitlos. Irgendwo zwischen Space, Prog und Wüste flirren zwei Kuriositäten umher, die große Lust wecken, das Werk beider Bands genauer zu durchleuchten.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 16.07.2021
Erhältlich über: Ripple Music (Bertus)

Wizzerd: www.facebook.com/wizzerddoom
Merlin: www.facebook.com/MERLIN666

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Category: Magazin, Reviews

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