Times Of Grace – Songs Of Loss And Separation

| 16. Juli 2021 | 0 Comments
Times Of Grace

(c) Hristo Shindov

Als sich Adam Dutkiewicz 2007 vor einer schweren Rückenoperation erholte, schrieb er nachdenkliche, verunsicherte und kraftvolle Songs, um aus dem Tief zu kommen. Sein ehemaliger Mitstreiter Jesse Leach war die einzige logische Gesangswahl für ihn, und so veröffentlichten Times Of Grace 2011 ihr bislang einziges Album. Ein Jahr später kehrte Leach zu Killswitch Engage zurück, der Kreis schloss sich. Nun gibt es tatsächlich einen melancholischen Nachfolger. Gemeinsam mit dem mittlerweile fix ins Line-up integrierten Dan Gluszak, der einst für Envy On The Coast trommelte, entstand das betont anti-optimistische „Songs Of Loss And Separation“.

Während Leach auf dem Debüt nach eigenen Angaben wie ein verletztes Tier war, konnte er sich seither aus dem Teufelskreis befreien. Diese Gefühlswelt bleibt dennoch präsent, denn Times Of Grace wollen keine sonderlich fröhliche, hoffnungsvolle Musik schreiben. Bereits das eröffnende „The Burden Of Belief“ zeigt recht deutlich, wohin die Reise gehen soll.  Zwei grandiose Stimmen finden sich immer wieder für bewegende Harmonien, rundherum setzt es fragilen und düsteren Rock, der gewisse Erinnerungen an Alice In Chains und sogar Tool (minus Prog-Ansatz) weckt. Wenn es schließlich doch am Höhepunkt lauter und beißender wird, winkt die Hauptband kurz, doch mit Metalcore hat das hier nichts gemein.

Das heißt aber keienswegs, dass Times Of Grace nicht zwischendurch an entsprechend wuchtige Momente andocken würden. „Medusa“ bemüht im Mittelteil entsprechende Intensität und wütende Shouts, die durch Mark und Bein fahren. Kleine Zwischensprints rundherum und drückende Schwerfälligkeit verbinden Vertrautes mit Zerstörungswut und Untergangsszenarien. Die gefühlte Katastrophe ist immer nah, wie im melancholisch intonierten „To Carry The Weight“ mit seinen wuchtigen Drums und dem großartigen Refrain. Oder aber „Rescue“, das die gefühlte Brücke zwischen den Projekten von Leach und Dutkiewicz schlägt – pointiert und metallisch auf der einen, aufwühlend düster-rockig auf der anderen Seite. Erneut sorgen die unfassbar großen Stimmen für Gänsehautmomente, egal ob in Heavyness oder im Schwermütigen.

Obwohl Times Of Grace gewisse Verbindungen und Synergien mit Killswitch Engage basteln, werden sie nie zum berechenbaren Wurmfortsatz. „Songs Of Loss And Separation“ zeigt, mehr denn je, eine eigenständige Entität mit Melancholie, mit feinsinnigen Melodien, mit großen Harmonien, mit rührenden und (selbst-)zerstörerischen Momenten. Durch die Aufarbeitung aller miesen Dinge der letzten Jahre schaffen Leach, Dutkiewicz und Gluszak eine kathartische Wundertüte, die ohne Umschweife unter die Haut geht und zum Vehikel für die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Gefühlswelt wird. Man möchte Times Of Grace dennoch nicht ausreichend Material für eine weitere Platte wünschen, so schön und intensiv die Musik auch ist.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 16.07.2021
Erhältlich über: Wicked Good Records / ADA (Warner Music)

Website: www.timesofgraceband.com
Facebook: www.facebook.com/OfficialTimesofGrace

Slider-Pic (c) Hristo Shindov

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Category: Magazin, Reviews

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