Alice In Chains – Rainier Fog

| 24. August 2018 | 0 Comments
Alice In Chains

(c) Pamela Litkky

Zeit ist ein schwammiges Konstrukt für Alice In Chains. Stolze fünf Jahre zogen seit dem Release von „The Devil Put Dinosaurs Here“ ins Land. Zwischen Tour-Aktivitäten und diversen Nebenschauplätzen blieb zuletzt relativ wenig Luft für Grunge-Revivalism. Nun sind sie wieder da und nahmen sogar zum ersten Mal seit über 20 Jahren in ihrer Heimatstadt Seattle auf. Der Albumtitel „Rainier Fog“ lässt sich somit als Tribut an die Hochburg der 90s-Rock-Revolution verstehen.

Auf Überraschungen verzichten Alice In Chains, aber wer will die schon wirklich hören? Stattdessen setzt das Quartett auf seine bewusst düstere, leicht doomig angehauchte Interpretation klassischer Grunge-Klänge mit zeitloser Note. Gut, die Melodieführung von „Fly“ hätte man vielleicht doch nicht so erwartet. Das erinnert kurzzeitig an jene verstohlene Art von Hoffnung, mit der einst Nirvana auf die falsche Fährte führten. Dahinter lauert ein ordentlicher Rocker mit kräftigem Classic-Rock-Solo, und doch fällt dieser leicht luftige Song aus dem Rahmen. Er ist Geschmacksache, so viel ist sicher.

Die ersten beiden Singles bieten hingegen gewohnte Kost mit packenden, eingängigen Riffs und martialischer Schwere. William DuValls verführerischer, leicht entrückter Gesang trägt den dicken, dissonant angehauchten Opener „The One You Know“ und das geradezu hypnotische „So Far Under“ (metallische Untertöne sorgen für Auflockerung) nach vorne. In punkto Heavyness legt „Red Giant“ nochmals einen drauf und überrascht mit einem Hauch von proggigen Mastodon – da lassen wohl das Giraffe Tongue Orchestra grüßen. Mit dem melancholischen, süßlichen „Deaf Ears Blind Eyes“ und dem beinahe schonen traditionellen, gemächlichen Abgang „All I Am“ setzen Alice In Chains natürlich auf vertraute Klänge.

Der sprichwörtliche Teufel liegt auf diesem neuen Album im Detail. Über weite Strecken servieren Alice In Chains gewohnte – und natürlich sehr gute – Kost. Mit der unaufgeregten Melodik von „Fly“ und dem unorthodoxen Drive von „Red Giant“ öffnen sich die Grunge-Urväter letztlich doch noch für frische Elemente. So fügt sich „Rainier Fog“ letztlich gekonnt in die spannende Diskographie der US-Veteranen ein. Klar, vielleicht fehlt wieder der große Übersong, und doch setzt es von vorne bis hinten richtig schön dicken, emotional aufgeladenden, durch Mark und Bein fahrenden Rock mit traditioneller Note, wie man ihn eben von den Königen der gesungenen Melancholie schätzt und liebt. Eben eine weitere, richtig gute Platte von vorne bis hinten.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 24.08.2018
Erhältlich über: BMG Rights Management (Warner Music)

Website: aliceinchains.com
Facebook: www.facebook.com/aliceinchains

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Category: Magazin, Reviews

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