Vennart – In The Dead, Dead Wood

| 23. Dezember 2020 | 0 Comments
Vennart

(c) Steve Gullick

Mal eben schnell im Lockdown ein Album schreiben, das hatten sich wohl viele Musiker auf ihre To-Do-Liste gesetzt. Mike Vennart zog genau das tatsächlich durch. Der ehemalige Frontmann der großartigen Oceansize, der heute unter anderem Biffy Clyro live begleitet, präsentiert in schöner Regelmäßigkeit anspruchsvoll rockenden Prog als, nun ja, Vennart. Sein drittes Album „In The Dead, Dead Wood“ gab er recht kurzfristig bekannt – es soll mal eben während der Ausgangssperre geschrieben und mit ein paar Archiv-Ideen versehen worden sein. Schnellschüsse klingen allerdings anders.

Hier dominieren die Perlen, Säue finden hingegen keinen Platz. Zu den vielfältigsten, wechselhaftesten Tracks dieser neuen Platte zählt ohne Frage „Super Sleuth“, das sich zunächst nur langsam aus einem eigentümlichen Groove erhebt und dicke, schwerfällige Riffs vom Stapel lässt. Vennart tänzelt förmlich über das Arrangement, nur um sich im finalen Abschnitt zu rasenden Screams hinreißen zu lassen – der Dank an die Nachbarn in den Credits angesichts der Home-Recordings ist verständlich. Hingegen zeigt der Titelsong „In The Dead, Dead Wood“ eine ganz neue Seite des Künstlers und mäandert drei Minuten lang durch finstere Synthie-Atmosphäre. Das ist unbequem auf sympathische Weise.

Ein weiteres Highlight lauert kurz vor Schluss im überlangen „Mourning On The Range“. Dichte, beklemmende Post-Grunge-Atmosphäre und verführerischer Neo-Prog gehen eine eigenwillige, cineastische Marriage of Convenience ein, raufen sich trotzdem zusammen und finden Momente puristischer Schönheit im Nirgendwo. Wer diese grungige Seite Vennarts mag, sollte die derben Gitarren in „Elemental“ lieben. Nicht zum letzten Mal erinnert der Mastermind tatsächlich entfernt an Chris Cornell. Das abschließende „Forc In The Road“, an dem übrigens noch ein kleiner Bonus-Track hängt, baut sich hingegen in bester Post-Rock-Manier auf und findet sich tatsächlich auf dem titularen Scheideweg wieder.

Wenn so ein mal eben auf die Schnelle aufgenommenes Vennart-Album klingt, wie würde sich erst ein opulentes, ausgeklügeltes Studiowerk anhören? Klar, die Gitarren braten insgesamt mehr und liefern erfrischend laute, sperrige Breitseiten, doch bleibt „In The Dead, Dead Wood“ ein weiteres wunderbares Beispiel für detailreiche, smarte Prog-Kunst mit unzähligen Kniffen und Wendungen, mit mitreißenden Überraschungen, großen Gefühlen und konsequenter Findung übergeordneter, zeitloser Bedeutungskreise. Mike Vennart bleibt eine Alternative-Prog-Bank.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 06.11.2020
Erhältlich über: Eigenvertrieb

Website: vennart.com
Facebook: https://www.facebook.com/vennartvennart

Slider-Pic (c) Steve Gullick

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Category: Magazin, Reviews

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