Caligula’s Horse – Rise Radiant

| 22. Mai 2020 | 0 Comments
Caligula's Horse

(c) Andrew Basso

Still und beinahe klammheimlich stiegen Caligula’s Horse zur Modern-Prog-Institution auf. Das australische Quintett verdichtete seinen Sound im Laufe der vier bisherigen Alben zusehends, vermischte Elemente der klassischen Schule mit Djent-Ansätzen, Art-Rock mit hymnischen Wuchtbrummen. Und genauso geht es nun weiter. „Rise Radiant“ befasst sich mit verschiedensten Aspekten des Menschseins und bemüht sich zugleich um neue musikalische Extreme.

Acht magische Perlen – mal recht kurz, dann wieder angenehm überlang – begleiten diese neue Platte. Schnell kristallisiert sich „Oceanrise“ als Highlight heraus. Caligula’s Horse legen dramatisch los, mit großen Gesten, ruppigen Gitarren und luftiger Atmosphäre. Konstant hohe Spannung, das unweigerliche Zusteuern auf feinsinnige Harmonien und die Kopfstimme im Auge des Sturms, erinnern etwas an frühere Leprous. Ähnliches lässt sich von „Slow Violence“ behaupten, das ebenfalls laufend am Anschlag operiert und dabei dennoch ultraeingängig bleibt. Der Titel hat Programm, denn unter der Oberfläche brodelt es gewaltig, bloß entfaltet sich dieser Wahnsinn betont gemächlich.

Am anderen Ende des Albums lauert „The Ascent“, ein Gigant von zehneinhalb Minuten. Was sich wie Overkill liest, hat bei Caligula’s Horse längst Methode. Die Australier lieben ihre Monolithen und legen auch hier genussvoll Schicht für Schicht des Wahnsinns frei. Süßliche Fanfaren, technisch anspruchsvolle Saitenhexerei, harsche Eruptionen und balladeske Einschübe spannen den Bogen von den 70ern bis heute. Der bekömmliche Art-Pop von „Salt“, später durch Sehnsuchts-Prog abgelöst, kann ebenfalls was und zeigt zugleich Muse, wohin die Reise hätte hingehen können.

Caligula’s Horse verzichten auf ihrem fünften Album auf musikalische Revolutionen und entwickeln ihren Sound stattdesen einfach „nur“ weiter. Tatsächlich finden sich vermehrt klassische Prog-Flächen auf „Rise Radiant“, aber eben auch gewohnt schroffe Djent-Gitarren, hymnische Melodien und kauzig-eingängige Art-Exkurse. Die Australier loten ihre Grenzen aus und werfen, quasi im Vorbeigehen, ein weiteres hochklassiges Studiowerk ab. Bleibt also alles bärenstark.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 22.05.2020
Erhältlich über: Inside Out Music (Sony Music)

Facebook: www.facebook.com/caligulashorseband

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Category: Magazin, Reviews

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