rýr – Left Fallow

| 6. Januar 2020 | 0 Comments
rýr

(c) Narshardaa Records

Gute Musik benötigt keine Texte, um etwas zu sagen zu haben. Genau das gilt für rýr aus Berlin. Nach dem isländischen Begriff für „karg“ oder „öde“ benannt, setzt das Quartett aus der deutschen Hauptstadt auf rein instrumentalen Post Metal der intensiven Prägung. Bands wie Neurosis, Isis und Cult Of Luna drängen sich auf, wenn die sieben Tracks des Debütalbums „Left Fallow“ aus den Boxen tönen und trotz Düsternis auf positive Erfahrungen – vor allem auf und rund um die Bühne – setzen.

Nach einem viel zu kurzen Intro rutscht bereits „Fallow“ durch und bringt die angenehm eigentümliche Identität rýrs auf den Punkt. Ohne lyrische Ebene verlagert sich das narrative Element komplett auf die Instrumentierung – die für das Genre etatmäßigen Growls, Chants und Schmerzensschreie werden allerdings nicht vermisst. Tatsächlich sagen die Berliner in den acht Minuten dieses Auftakts viel mehr als vergleichbare Bands. Das von schroffen, leicht ranzigen Gitarren angetriebene Leitmotiv kollidiert immer wieder mit verhalten luftigen Ansätzen, mit klaren Gitarren und purer Düsternis. Zwei sich diametral gegenüberstehende Pole hämmern immer wieder aufeinander ein, ohne einen Sieger zu küren – die aufwühlende Klangreise ist für sich ein Gewinn.

Es ist gar nicht so einfach, echte Favoriten aus diesem musikalischen Dickicht herauszufiltern, zu geschlossen ist die Einheit, zu stark die Platte. Vielleicht will „Surfeit“ extra erwähnt werden. Die schroffen, leicht entstellten Gitarren kennt man bereits aus dem Opener, die etwas schrille Zweitmelodie darüber, die weite Teile des Tracks begleitet, mutet hingegen frisch und eigenständig an. Erinnerungen an frühe The Ocean werden wach, wenn rýr ihren Monolithen voranschreiten lassen.

So ziemlich jede Episode dieser 50 Minuten ließe sich an dieser Stelle nennen, das spricht für die enorme Dichte dieses Einstands. „Left Fallow“ macht keinen Hehl aus seinen offenkundigen Einflüssen, gräbt sich tief durch die Erwartungshaltung und bemüht mit der rein instrumentalen Präsentation einen angenehm frischen Ansatz – nicht ganz unbekannt, dennoch selten so packend präsentiert. Mit nur sieben Tracks sind rýr drauf und dran, sich als post-metallischer Fixstern zu etablieren. Ein von vorne bis hinten grenzgeniales Debüt wie dieses lässt das Jahr bärenstark anrollen.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 10.01.2020
Erhältlich über: Narshardaa Records

Facebook: www.facebook.com/ryrpostmetal

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Category: Magazin, Reviews

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